Seiten

28.05.2014

Eifersucht

Hahaha. Ich kann das hämische Gelächter des Universums förmlich hören. Dabei hab ich es wirklich versucht: Ich habe mir fest vorgenommen, einen entspannten, schönen und lustigen Nachmittag mit den Kindern zu verbringen.
Und dann... ich rieche es schon seit ein paar Tagen... kommt das blöde Gespenst GESCHWISTEREIFERSUCHT um die Ecke und knallt volle Kanne mit uns dreien zusammen. Und manifestiert sich in einem einzigen Satz:

ICH WILL GAR NICHT LAUFEN!!!

Diese konstruktive Aussage plus herzzerreißendes Schluchzen und Weinen. Kein wütendes, sondern verzweifeltes Schreien, Tränen und Rotz laufen über's Gesicht und die roten Stressflecken tauchen auf. Ella ist auf einmal völlig außer sich, wenn ich Mo trage. Und das tue ich oft, denn er kann noch nicht laufen. Der arme Mo weint natürlich sofort mit, völlig verunsichert, was seine große Schwester so aus der Bahn wirft.

And here I am. Zwei ziemlich hysterisch schreiende Kleinkinder an mich gepresst, die sich nicht beruhigen wollen.Sich schließlich doch beruhigen. Und wieder anfangen.

Also Situationswechsel. Es schüttet draußen zwar wie aus Kübeln, aber ich hätte die zwei Scherzbolde in dem Zustand wahrscheinlich auch vor die Tür gejagt, wenn es Kinderkacke geregnet hätte (naja. Nagelt mich nicht darauf fest. Man weiß nie mit diesem Universum heutzutage.). Kinder ins Auto verlagert, ich schweißgebadet, die beiden mit Tränen im Gesicht und roten Stressflecken, und das Wasser von den Regenjacken tropft auf unsere Knie. Der Regen trommelt monoton auf's Autodach und wir sind, glaube ich, alle dankbar für dieses dezente Geräusch.
Und beim Einkaufen ist auf einmal alles wieder dubi-du.

Die Moral von der Geschicht? Planen mit Kindern ist für die Tonne. Und dennoch bin ich ein bisschen stolz auf mich. Weil ich in dieser gefürchtetsten Situation, die ich ob ihrer nervenraubenden Intensität echt nur schwer ertragen kann, ruhig geblieben bin. Noch vor einem halben Jahr habe ich mitgetobt und war selbst außer mir an solchen Tagen.

Nennt mich übergeschnappt, aber ich glaube, allein der Gedanke an uns drei mit Bob Marley im Wohnzimmer hat mir ein bisschen geholfen.

You live, you learn.

Musikalische Früherziehung

Es regnet. 13°C Ende Mai. Zwei wildgewordene Kleinkinder.

Heute! Heute werde ich dem Lagerkoller die Zunge herausstrecken und die miese Laune austricksen. Ich werde die Stereoanlage, die schon seit gefühlten 3 Jahren einstaubt, endlich wieder einstecken. Den Lautstärkeregler so weit aufdrehen, dass es gerade noch kleinkinderfreundlich ist. Dann werde ich Mo auf den Arm und Ella an die Hand nehmen, und dann werde ich das hier

I spy: Mikhael Paskalev

einlegen, auf PLAY drücken und dann werden wir lange und wild mit dem Popo wackeln. Wenn das trotzphasengeschüttelte Ellalein ihre Hose nach dem Klogang nicht mehr anziehen mag, dann soll sie in Unterhose wackeln wie Mikhael so wunderbar in seinem Video. Und da unser Wohnzimmer nach einer Stunde Kleinkindaction aussieht wie ein Hotelzimmer nach einer Übernachtung von Axl Rose, werden wir heute dem Chaos zuvor kommen und im Takt mit Legosteinen jonglieren und uns mit Bällen bewerfen.

Danach werden wir noch das hier anhören: Jack Johnson: Jungle Gym
und dann noch das hier Cro: Einmal um die Welt,
und zum Runterkommen vielleicht noch das hier: Bob Marley: Stir it up

Und dann gehen wir Pfützen springen.

Mal sehen, ob das klappt.


21.05.2014

... und Action: Wenn das Geschwisterkind kommt - ein paar Tipps

Entweder es liegt am Frühling oder an meiner selektiven Wahrnehmung, aber irgendwie scheint im Moment eine fruchtbare Zeit zu sein. Von so vielen Zweit-Schwangerschaften höre ich gerade! Da ich mich derzeit so schön in der Verarbeitungsphase des letzten Jahres (= des ersten Jahres mit Baby und Kleinkind) befinde, brenne ich geradezu darauf, ein bisschen von meinem Gedankenhäufchen zu teilen.

Wir hatten zwar etwas schwierige, aber dennoch durchschnittliche Ausgangsparameter. Ella war 1 1/2 und sehr anhänglich, als Mo kam. Und Mo schrie.
Falls ich jemals zuvor ein entspanntes Mädchen gewesen bin - nach der Entbindung nicht mehr. Ich war ein übermüdetes, überfordertes und hormongeplagtes Nervenbündel und - ich fürchte, ich habe damals einen Kardinalfehler begangen, der mich hiermit zu Tipp Nr. 1 bringt:

1) Akzeptiere, dass die 1:1-Betreuung vorbei ist. 
Das klingt so einfach. In der Praxis bedeutet das aber: Mach dich nicht fertig, wenn beide Kinder gleichzeitig weinen und du nicht jedes Bedürfnis sofort befriedigen kannst.
Auch das klingt noch irgendwie einfach. Mich hat genau dieser Punkt aber am meisten gestresst und ich habe MONATE gebraucht, um mich nicht mehr als Versagerin zu fühlen, wenn beide Kinder unglücklich waren und ich ihnen nicht helfen konnte. [Unsere Hauptproblematik war: Mo hat monatelang nur beim getragen werden (und schlafen) nicht geschrien. Ja, auch beim stillen (hey, das geht tatsächlich!). Und Ella war so anhänglich / sensibel / eifersüchtig, dass sie sehr oft nicht akzeptieren konnte, wenn ich ihn getragen habe. Und das Geschrei hat sie fürchterlich gestresst. Andersrum: Mo schreit sich bis heute bei jedem der geschätzten 400 Stinker seiner Schwester, die ich aus Windel oder Töpfchen gepult habe, die Lunge aus dem Leib... etc.]
Die Liste an solchen Situationen lässt sich endlos fortsetzen: Kind 1 hat Hunger, wärend Kind 2 gegen die Tür rennt, etc.... Eine Situation, 1000 Variationen, millionenfache Frustration...

... oder du versuchst, die Frustration zu überspringen und akzeptierst einfach, dass es so ist und nicht geändert werden kann. Es ist nicht deine Schuld und du tust, was du kannst. Die Prios werden abgearbeitet.

2) Die Stillkiste.
Dieser Punkt ist nix Neues. Sammle neues (oder vergessenes) Spielzeug, Bücher, Bastelideen, Malsachen etc. für das große Kind in einer Kiste, die nur dann geöffnet werden darf, wenn du stillst.

3) Dieses Buch. 
Gibt's auch in der Schwestern-Version, allerdings nur auf Englisch. Macht aber nix - es ist so wenig Text, dass man leicht simultan übersetzen kann. Das beste Vorbereitungs-/Begleitbuch für das große Kind, das ich bisher gesehen habe, weil es nicht nur die Situation erklärt, sondern der/dem "Großen" sehr schön das Gefühl gibt, etwas ganz besonderes zu sein.

4) Ausnahmen sind ok, wenn sie gerade helfen.
- Du hältst dein Kind bisher strikt von Unterhaltungsmedien (vor 18:00, oder überhaupt, etc.) fern? Super. Aber der Zwerg schläft einfach nicht ein und der Große spielt brüllender Löwe im Schlafzimmer? Dann sch... auf die Regeln und mach es dir leichter, wo es geht.
- Bestechung durch Schokolade widerspricht deinen Erziehungsgrundsätzen? Prima. Aber Baby hat Hunger und der/die Große findet gerade große Erfüllung in einer Eifersuchtsattacke? Dann plündere doch mal das Überraschungseier-Notlager (ich hatte eins...)!
- Etc.

5) Sorge dafür, dass Papi (soweit vorhanden) sich nachts um Kind 1 kümmert, und dass Kind 1 das akzeptiert.

Fakt ist: Der/die Große, also "Kind 1", benötigt am Anfang (für die Zeit im Krankenhaus, für's Wochenbett, und generell um diese "Entthronungssituation" zu meistern) eine kleine Umorientierung bzgl. Hauptbezugsperson. D.h. der Papi muss präsenter werden -> auch nachts!, (und zwar schon ein paar Wochen vor der Entbindung) damit Kind 1 nicht aus allen Wolken fällt, wenn Mami plötzlich 4 Tage nicht da ist und danach permanent ein schreiender Alien an ihrer Brust nuckelt.

Und wenn der Alien dann da ist, ist die durchschnittliche neugeborene Zweifachmama körperlich und seelisch garantiert heilfroh, wenn sich Papi bitte bitte doch nachts und morgens (!) vollständig um das ältere Schätzchen kümmert. [Für mich war das die Rettung. Bis Mo 5 Monate alt war, hat er mich alle 1-2 Stunden aufgeweckt. Wenn ich dazu noch jeden Morgen um 6.00 mit Ella hätte aufstehen müssen, wäre ich ganz sicher zusammen gebrochen.]

6) Hole hilfe.
Damit meine ich nicht nur Babysitter, Eltern oder Freunde. Sondern ich meine auch: Scheue dich nicht, dir professionelle Hilfe zu holen, wenn es dir nicht gut geht oder wenn du dich permanent überfordert fühlst. Postpartale Depression ist (auch nach dem zweiten Kind) keine Seltenheit und nicht nur zum Wohle deiner Kinder musst du dich auch um dich selbst kümmern.

7) Investiere in einen Geschwisterkinderwagen.
Dieser Punkt zählt natürlich nur dann, wenn der Abstand zwischen beiden gering ist. Wir haben einen Berg Kohle für einen richtig guten Wagen ausgegeben, weil wir dachten, wir würden ihn nach ein paar Monaten wieder wie neu verkaufen können. Falsch gedacht! Dieser Wagen hat mich so oft gerettet (wie bringe ich zwei weinende übermüdete Bündel zum schlafen???) und erleichtert mir auch heute noch das Leben sehr (Mo sitzt? Ich will auch sitzen, ich will GAR NICHT LAUFEN!!!, wohlgemerkt ist das Mädchen fast 3, aber hey, choose your battles), dass wir ihn gar nicht mehr hergeben wollen. Unserer ist der Bugaboo Donkey Duo, und er ist für unsere Zwecke perfekt. Aber es gibt sicherlich preiswertere und auch sehr gute Alternativen.


8) Enjoy.
Ha! Das hätte ich doch fast vergessen. Egal wie gestresst und müde du bist und egal wie oft die Kinder schreien und wie schei... deine Wohnung aussieht usw: Es ist wunderbar! Deine Kinder werden jetzt einander haben, bis an`s Ende ihres Lebens. Zwei Kinder zu haben ist wunderbar. Es verändert die Familiendynamik noch einmal enorm. Fühl dich nicht unter Druck gesetzt, glücklich zu sein (ich war es nicht oft). Aber sei dankbar, und halte die schönen Momente fest. Und denk dran: Es wird einfacher. Monat für Monat. Und wenn sie erst mit einander spielen können und sich umarmen, dann wird es dich ein bisschen schaudern vor lauter Glück.


Anm.: Vielleicht denkst du, die Alte spinnt und übertreibt völlig. Stimmt auch bei den meisten! Tatsächlich läuft es bei der Mehrzahl meiner Freunde sehr entspannt mit dem Geschwisterkind! In diesem Sinne wünsche ich allen bald-(Mehrfach-)Mamas alles Liebe und einen guten Start!


19.05.2014

Heldin des Nachmittags in 10 Minuten: Die einfachsten Pancakes der Welt







Ich bin einfach keine ordentliche Köchin. War ich nie, bin ich nicht, werde ich wohl nie sein. Wahrscheinlich, weil ich im Grunde meines Herzens ein Rennpferd bin - immer schneller, nicht anhalten, laufen laufen laufen... das hat sich durch die Kinder und damit einhergehenden chronischen Zeitmangel leider noch verstärkt. Ein Rennpferd stellt sich einfach nicht total gechillt in die Küche und bereitet mit viel Liebe und Muße ein zauberhaftes Gericht für die ganze Familie. Ich wünschte, ich könnte das! Stattdessen scharre ich mit den Hufen und bin beleidigt, weil die Nudeln doch nicht in 7 Minuten gar sind wie auf der Packung versprochen. Nicht gerade die beste Eigenschaft als Mama, aber manche Dinge lassen sich nicht so leicht ändern...

... dennoch, Essen muss in die Bäuche. Schnell, einfach, gesund und kindertauglich. Und so lecker, dass es bei uns ab sofort heißt:

Dienstag ist Pancake-Tag!

Hier kommt also ein tolles Rezept (bei Mama Miez gefunden und leicht adaptiert):

Zutaten:
  • 2 Tassen (á ca. 250ml) Vollkornmehl
  • 2 EL Zucker
  • 1 Päckchen Backpulver
  • 1 Prise Salz
  • 2 Eier
  • 1 ½ Tassen Milch
  • ¼ Tasse Öl
Zubereitung:
- Alle trockenen Zutaten vermischen.
- Alle feuchten Zutaten in einer weiteren Schüssel mixen.
- Anschließend die feuchten und die trockenen Zutaten mit dem Mixer verquirlen.
- Eine Pfanne auf mittlerer Temperatur erhitzen und einen Esslöffel Öl hineingeben. Wenn das Öl heiß ist, die Pancakes á 2 Esslöffel Teig in die Pfanne geben.

- Wenn der Teig Bläschen wirft und diese platzen, den Pancake wenden und auf der zweiten Seite noch mal eine Minuten backen.

Der Teig ist in 5 Minuten zusammen gerührt, und die ersten Pancakes sind 3 Minuten später fertig. Bis der komplette Teig verbacken ist, dauert es bei mir eine Weile. Aber wenn die Kids in ihren Hochstühlen in der Küche neben mir den Pancake-Fortschritt live miterleben und simultan gefüttert werden - dann ist alles prima!


Wir essen dazu Apfelmus oder Apfel-Birnen-Mark aus dem Glas; damit werden die Pancakes wirklich zu einer gesunden Mahlzeit. Wer's süßer mag, nimmt Nutella dazu.

Die Pancakes lassen sich in einer luftdichten Box im Kühlschrank aufbewahrt perfekt noch am nächsten Tag essen.

Bei mir erinnern die Pancakes rein optisch mitunter eher an Kaiserschmarren, aber das macht nix! Sie schmecken trotzdem hervorragend, und den Kindern ist die Ästhetik zum Glück (noch...) wurscht. 

Große Begeisterung!




16.05.2014

Statt durchdrehen: Lieber in den Wald!

Es mag dramatisch klingen, aber das letzte Jahr war das turbulenteste und auch härteste meines Lebens, ich verlor über weite Strecken völlig die Kontrolle und lernte Seiten an mir kennen, die mich noch heute zum Erschaudern bringen. Dabei ist nicht wirklich etwas außergewöhnliches passiert: Es wurde "nur" unser zweites Kind geboren... Ella war 1 1/2, und dann kam Mo.
An anderer Stelle werde ich bestimmt mehr Detail zu dem Chaos schreiben, das damals bei uns Einzug hielt. Kurz gesagt, ich hätte nie gedacht, dass mich zwei kleine Menschen so an den Rand des Wahnsinns bringen können.
Mittlerweile ist Mo 13 Monate alt und Ella mit 2 3/4 schon ein Kindergartenmädchen, ich kann also wieder durchatmen und sagen, das erste Jahr ist ÜBERSTANDEN!
Tage, die völlig aus dem Ruder laufen und mich mitunter am Vorhandensein irgendwelcher Regeln im Universum zweifeln lassen, gibt es natürlich immer noch. Solche Tage kennt jeder ...

So auch letzte Woche.

Gegen halb 12 kommen wir nach Hause, alle völlig erledigt und hungrig nach der Kiga-Eingewöhnung. Ella und Mo überwältigt von all den Eindrücken, ich übermüdet und fertig durch das stundenlange Rumschleppen des aufgewühlten 11kg-Brockens. Also Prio 1: Versuchen, in 10 Minuten ein kinderfreundliches Mittagessen zu kochen, zu verfüttern und dabei das Quengeln halbwegs zu ignorieren. Geschafft. Prio 2: Bub und Mädchen ins Bett bringen. Hm - NICHT geschafft. Beide beschließen, lieber wach und sehr unglücklich zu sein als brav zu schlummern und IHRER MAMA EINE MITTAGSPAUSE zu gönnen. Die restlichen Stunden: Mädchen schüttet Glas aufs Sofa - Bub pieselt beim Windelwechseln auf den Teppich - Mädchen rennt gleichzeitig mit dem Kopf gegen den Tisch und braucht Trost- Bub will getragen werden weil so müde - Mädchen muss einen Stinker ins Töpfchen - Bub kriegt Tobsuchtsanfall im Laufstall (außerhalb des Laufstalls tut er alles, um INS Töpfchen klettern zu können) - Mädchen will nicht Hände waschen, weil das Wasser zu kalt ist - Bub räumt in Nanosekunden das komplette Bücherregal aus, spielt Diskuswerfen mit Leo Lausemaus-CD und isst Tafelkreide - Mama verkneift sich viele hysterische Anfälle, aber nicht alle. Usw usw.

Ich weiß, das ist alles ganz normal und vor allem "Mami, das geht schon wieder weg"; ich weiß nicht, wie es euch geht, aber an solchen Tagen würde ich mir, gelinde gesagt, äh mehr Gelassenheit wünschen. Jedenfalls, kurz vor dem endgültigen Zerspringen habe ich uns drei in Mopsgeschwindigkeit ins Auto gepackt und bin - in den Wald gefahren.

Und siehe da!

Völlige Stille außer Vogelgezwitscher und dem Klang unserer Schritte im Laub. Frische, feuchte Luft, vereinzelte Sonnenstrahlen spitzen durch die Baumwipfel. Der Wind rauscht durch die Blätter. Von einer Sekunde auf die andere merke ich, wie wir uns alle drei entspannen und der Druck aus dem Kopf schwindet.

Wir suchen Schnecken, und alles ist gut.

Nicht entspannt genug als Mama? Lasst uns doch einfach in Ruhe!

Überbehütung. Helikopter-Mamas. Attachment Parenting. Projekt Kind. [Etc., etc.]

Überall dasselbe. In allen möglichen Medien lassen sich heutzutage Menschen über ein aktuell stattfindendes Erziehungsdrama aus. (Konkret geärgert hat mich der am letzten Wochenende in der SZ erschienene Artikel "Unter Müttern").
Wir verwöhnen unsere Kinder, wir schieben sie ab. Wir lassen sie nicht wild sein, wir geben ihnen keine Regeln. Wir müssen nicht dies, wir sollen endlich das, wir können uns nicht mehr natürlich verhalten, und warum lassen wir uns überhaupt so unter Druck setzen und sind so mega-unentspannt? Das ist doch nicht cool, jetzt bleib doch mal locker!

Locker?!

Warum nimmt sich überhaupt irgend jemand das Recht heraus, andere Menschen und ihren Umgang mit ihren Kindern zu ver- oder auch nur be-urteilen?

Ich hätte da mal eine kleine Bitte:

Lasst uns einfach in Ruhe!
Keine Ratschläge, keine Beobachtungen, keine Ansichten, und schon gar keine Zukunfts-Aussichten, bitte.

Jede/r macht es anders. Die eine lässt sich von ihrer 4-jährigen herumkommandieren? Lasst sie doch! Wissen wir, wie es in deren 4 Wänden aussieht, können wir ihre Erziehungsmethode wirklich beurteilen?
Die andere steht am Spielplatz immer einen Meter neben dem Kind? Na und?
Die dritte setzt sich einen Erdbeerhut auf, geht mit der 2-jährigen im Partnerlook und spricht nur noch Babysprache, wirkt dabei aber total gestresst? Ist doch egal!
In die Stillen-oder-Flasche- bzw. Tragen-oder-Kinderwagen-Diskussion möchte ich gar nicht erst einsteigen.

Ich bin es leid, mir aus allen Ecken und Medien anhören zu müssen, dass ich locker und entspannt sein MUSS und dass ich das Kind doch einfach Kind sein lassen SOLL und mich nicht so stressen DARF, und so weiter. Diese ganze Diskussion um die zu hohen Erwartungen an die Mütter hat einen seltsamen Nebeneffekt -> sie erzeugt noch mehr Druck. Daher nochmal mein Appell:

Lasst uns in Ruhe!

Denn es ist doch folgendermaßen:
Solange wir unsere Kinder lieben und jeden Tag auf's Neue unser Bestes geben, machen wir alles richtig.

Auch wenn wir keine sternförmigen Gemüsescheibchen in die Kindergartendose legen.


Warum bin ich oft so unzufrieden als Mama?

Vor 10 Jahren war ich, damals unternehmungslustiges Singlemädchen, ein paar Wochen
alleine in Neuseeland unterwegs. Ich hatte gerade fürchterlichen Liebeskummer und
wollte in der großen Welt ein bisschen vergessen, wer ich war. Wenn ich nur fremde
Leute um mich hatte, konnte ich dann nicht auch eine andere werden?

An einem strahlenden Frühlingstag erreichte ich mit einer Gruppe anderer Touristen
das kleine, wunderschöne Bergdorf Franz Josef. Es war so angenehm, ein völlig
unberschriebenes Blatt zu sein, tausende Kilometer von zuhause entfernt. 
Ich fing gerade an mich wunderbar wild und frei zu fühlen, damals, in dieser Kneipe
irgendwo in Neuseeland. In der nächsten Sekunde traute ich meinen Augen nicht. 
Ein blondes Mädchen kam ungläubig auf mich zu und fragte, Sue?? Bist du das? - 
Und tatsächlich - hier, am Anderen Ende der Welt, traf ich zufällig eine alte 
Freundin aus München und -ZACK!-, war alles wieder da. Ich, mein Leben, mein 
Kontext. Im Guten wie im Schlechten.

Worauf will ich hinaus? 

Mutter-Sein. Der Punkt ist: Wir können nicht aus unserer Haut. Wir bleiben, 
wer wir sind. auch wenn durch diesen extremen Einschnitt des Mutter-Werdens sich
so Vieles im Leben verändert und wir unendlich viele neue Aspekte an 
Persönlichkeit dazu gewinnen - und vielleicht so viele neue Seiten an uns 
 
entdecken, dass uns mitunter die Luft wegbleibt - die Essenz unserer 
Persönlichkeit bleibt dieselbe.

Nun liegt es aber in der Natur der Sache, dass man als Mama mitunter in ein 
seltsames Setting geworfen wird. Moment, nicht "mitunter" - sondern standardmäßig.
Immer und jeden Tag. Kinder sind super, aber leider wollen sie jeden Tag essen. 
Und manchmal auch frische Wäsche, und leider machen sie jede Menge Dreck. 

Nein, es hat nichts damit zu tun ob wir unsere Kinder lieben oder nicht. 
 
Ob wir gerne mit ihnen spielen. Ich würde töten für meine Kinder, ich halte es 
kaum einen Tag ohne sie aus, ich liebe sie über alles und bin sicher, so geht es allen
Mamas. Dennoch: Ob ich es will oder nicht, ich beschäftige mich 
(neben meinen Kindern, natürlich) permanent mit Dingen, die ich verabscheue, 
in denen ich nicht gut bin und die mich nicht interessieren: Haushalt. kochen, 
putzen, waschen. Essen planen. Flecken entfernen. Kuchen backen. Das macht mir 
keinen Spaß!

Und warum sollte es auch? 

Fast 3 Jahre lang habe ich mir den Kopf zerbrochen, was ich falsch mache. 
Wie ich mich ändern kann. Ob ich als Mutter versage, wenn ich keinen Spaß an der 
Arbeit "außenrum" habe. Warum ich auf einmal nichts mehr auf die Reihe kriege. 
Die Wohnung unaufgeräumt, die Wäsche dreckig, und ich unglaublich frustriert. 
Was ist nur aus mir geworden?

Die Antwort ist: Nichts anderes als vorher. Ich bin einfach nur ICH geblieben. 
Vorher war ich in meinem Beruf einigermaßen erfolgreich, effizient, diplomatisch,
leitete ein lustiges Team von 12 Leuten, und bekam regelmäßig gutes Feedback. 
Heute kann ich nicht effizient sein, weil ich keine Tätigkeit länger als 2 Minuten
am Stück ausüben kann, ohne dass sich mein 1-Jähriger fast den Hals bricht. 
Ich kann mir meine Diplomatie in die Haare schmieren (Ich zähl bis drei...), 
und bekomme gar kein Feedback außer "ich hab keine Strümpfe mehr (Mann) bzw.
"Mama toll, du hast Pipi gemacht!" (Tochter). 

Heute komme ich also zu dem beruhigenden Schluss, dass ich einfach andere Sachen
gut kann. Nicht Haushalt, nicht kochen, und leider am allerwenigsten putzen. 
Deshalb bin ich noch lange kein Versager, und schon gar nicht als Mama. 
Meine Kinder werden heiß geliebt, und ich verbringe lieber Zeit damit noch ein 
paar mehr Legosteine mit ihnen durch's Wohnzimmer zu werfen, als die alten
aufzuräumen und danach noch den Teppich zu saugen. 

Und auch wenn meine eigene Mama, ein Kind der 50er, mich schimpft: 
Meine Kinder werden's mir nachsehen.