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16.05.2014

Statt durchdrehen: Lieber in den Wald!

Es mag dramatisch klingen, aber das letzte Jahr war das turbulenteste und auch härteste meines Lebens, ich verlor über weite Strecken völlig die Kontrolle und lernte Seiten an mir kennen, die mich noch heute zum Erschaudern bringen. Dabei ist nicht wirklich etwas außergewöhnliches passiert: Es wurde "nur" unser zweites Kind geboren... Ella war 1 1/2, und dann kam Mo.
An anderer Stelle werde ich bestimmt mehr Detail zu dem Chaos schreiben, das damals bei uns Einzug hielt. Kurz gesagt, ich hätte nie gedacht, dass mich zwei kleine Menschen so an den Rand des Wahnsinns bringen können.
Mittlerweile ist Mo 13 Monate alt und Ella mit 2 3/4 schon ein Kindergartenmädchen, ich kann also wieder durchatmen und sagen, das erste Jahr ist ÜBERSTANDEN!
Tage, die völlig aus dem Ruder laufen und mich mitunter am Vorhandensein irgendwelcher Regeln im Universum zweifeln lassen, gibt es natürlich immer noch. Solche Tage kennt jeder ...

So auch letzte Woche.

Gegen halb 12 kommen wir nach Hause, alle völlig erledigt und hungrig nach der Kiga-Eingewöhnung. Ella und Mo überwältigt von all den Eindrücken, ich übermüdet und fertig durch das stundenlange Rumschleppen des aufgewühlten 11kg-Brockens. Also Prio 1: Versuchen, in 10 Minuten ein kinderfreundliches Mittagessen zu kochen, zu verfüttern und dabei das Quengeln halbwegs zu ignorieren. Geschafft. Prio 2: Bub und Mädchen ins Bett bringen. Hm - NICHT geschafft. Beide beschließen, lieber wach und sehr unglücklich zu sein als brav zu schlummern und IHRER MAMA EINE MITTAGSPAUSE zu gönnen. Die restlichen Stunden: Mädchen schüttet Glas aufs Sofa - Bub pieselt beim Windelwechseln auf den Teppich - Mädchen rennt gleichzeitig mit dem Kopf gegen den Tisch und braucht Trost- Bub will getragen werden weil so müde - Mädchen muss einen Stinker ins Töpfchen - Bub kriegt Tobsuchtsanfall im Laufstall (außerhalb des Laufstalls tut er alles, um INS Töpfchen klettern zu können) - Mädchen will nicht Hände waschen, weil das Wasser zu kalt ist - Bub räumt in Nanosekunden das komplette Bücherregal aus, spielt Diskuswerfen mit Leo Lausemaus-CD und isst Tafelkreide - Mama verkneift sich viele hysterische Anfälle, aber nicht alle. Usw usw.

Ich weiß, das ist alles ganz normal und vor allem "Mami, das geht schon wieder weg"; ich weiß nicht, wie es euch geht, aber an solchen Tagen würde ich mir, gelinde gesagt, äh mehr Gelassenheit wünschen. Jedenfalls, kurz vor dem endgültigen Zerspringen habe ich uns drei in Mopsgeschwindigkeit ins Auto gepackt und bin - in den Wald gefahren.

Und siehe da!

Völlige Stille außer Vogelgezwitscher und dem Klang unserer Schritte im Laub. Frische, feuchte Luft, vereinzelte Sonnenstrahlen spitzen durch die Baumwipfel. Der Wind rauscht durch die Blätter. Von einer Sekunde auf die andere merke ich, wie wir uns alle drei entspannen und der Druck aus dem Kopf schwindet.

Wir suchen Schnecken, und alles ist gut.

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