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21.05.2014

... und Action: Wenn das Geschwisterkind kommt - ein paar Tipps

Entweder es liegt am Frühling oder an meiner selektiven Wahrnehmung, aber irgendwie scheint im Moment eine fruchtbare Zeit zu sein. Von so vielen Zweit-Schwangerschaften höre ich gerade! Da ich mich derzeit so schön in der Verarbeitungsphase des letzten Jahres (= des ersten Jahres mit Baby und Kleinkind) befinde, brenne ich geradezu darauf, ein bisschen von meinem Gedankenhäufchen zu teilen.

Wir hatten zwar etwas schwierige, aber dennoch durchschnittliche Ausgangsparameter. Ella war 1 1/2 und sehr anhänglich, als Mo kam. Und Mo schrie.
Falls ich jemals zuvor ein entspanntes Mädchen gewesen bin - nach der Entbindung nicht mehr. Ich war ein übermüdetes, überfordertes und hormongeplagtes Nervenbündel und - ich fürchte, ich habe damals einen Kardinalfehler begangen, der mich hiermit zu Tipp Nr. 1 bringt:

1) Akzeptiere, dass die 1:1-Betreuung vorbei ist. 
Das klingt so einfach. In der Praxis bedeutet das aber: Mach dich nicht fertig, wenn beide Kinder gleichzeitig weinen und du nicht jedes Bedürfnis sofort befriedigen kannst.
Auch das klingt noch irgendwie einfach. Mich hat genau dieser Punkt aber am meisten gestresst und ich habe MONATE gebraucht, um mich nicht mehr als Versagerin zu fühlen, wenn beide Kinder unglücklich waren und ich ihnen nicht helfen konnte. [Unsere Hauptproblematik war: Mo hat monatelang nur beim getragen werden (und schlafen) nicht geschrien. Ja, auch beim stillen (hey, das geht tatsächlich!). Und Ella war so anhänglich / sensibel / eifersüchtig, dass sie sehr oft nicht akzeptieren konnte, wenn ich ihn getragen habe. Und das Geschrei hat sie fürchterlich gestresst. Andersrum: Mo schreit sich bis heute bei jedem der geschätzten 400 Stinker seiner Schwester, die ich aus Windel oder Töpfchen gepult habe, die Lunge aus dem Leib... etc.]
Die Liste an solchen Situationen lässt sich endlos fortsetzen: Kind 1 hat Hunger, wärend Kind 2 gegen die Tür rennt, etc.... Eine Situation, 1000 Variationen, millionenfache Frustration...

... oder du versuchst, die Frustration zu überspringen und akzeptierst einfach, dass es so ist und nicht geändert werden kann. Es ist nicht deine Schuld und du tust, was du kannst. Die Prios werden abgearbeitet.

2) Die Stillkiste.
Dieser Punkt ist nix Neues. Sammle neues (oder vergessenes) Spielzeug, Bücher, Bastelideen, Malsachen etc. für das große Kind in einer Kiste, die nur dann geöffnet werden darf, wenn du stillst.

3) Dieses Buch. 
Gibt's auch in der Schwestern-Version, allerdings nur auf Englisch. Macht aber nix - es ist so wenig Text, dass man leicht simultan übersetzen kann. Das beste Vorbereitungs-/Begleitbuch für das große Kind, das ich bisher gesehen habe, weil es nicht nur die Situation erklärt, sondern der/dem "Großen" sehr schön das Gefühl gibt, etwas ganz besonderes zu sein.

4) Ausnahmen sind ok, wenn sie gerade helfen.
- Du hältst dein Kind bisher strikt von Unterhaltungsmedien (vor 18:00, oder überhaupt, etc.) fern? Super. Aber der Zwerg schläft einfach nicht ein und der Große spielt brüllender Löwe im Schlafzimmer? Dann sch... auf die Regeln und mach es dir leichter, wo es geht.
- Bestechung durch Schokolade widerspricht deinen Erziehungsgrundsätzen? Prima. Aber Baby hat Hunger und der/die Große findet gerade große Erfüllung in einer Eifersuchtsattacke? Dann plündere doch mal das Überraschungseier-Notlager (ich hatte eins...)!
- Etc.

5) Sorge dafür, dass Papi (soweit vorhanden) sich nachts um Kind 1 kümmert, und dass Kind 1 das akzeptiert.

Fakt ist: Der/die Große, also "Kind 1", benötigt am Anfang (für die Zeit im Krankenhaus, für's Wochenbett, und generell um diese "Entthronungssituation" zu meistern) eine kleine Umorientierung bzgl. Hauptbezugsperson. D.h. der Papi muss präsenter werden -> auch nachts!, (und zwar schon ein paar Wochen vor der Entbindung) damit Kind 1 nicht aus allen Wolken fällt, wenn Mami plötzlich 4 Tage nicht da ist und danach permanent ein schreiender Alien an ihrer Brust nuckelt.

Und wenn der Alien dann da ist, ist die durchschnittliche neugeborene Zweifachmama körperlich und seelisch garantiert heilfroh, wenn sich Papi bitte bitte doch nachts und morgens (!) vollständig um das ältere Schätzchen kümmert. [Für mich war das die Rettung. Bis Mo 5 Monate alt war, hat er mich alle 1-2 Stunden aufgeweckt. Wenn ich dazu noch jeden Morgen um 6.00 mit Ella hätte aufstehen müssen, wäre ich ganz sicher zusammen gebrochen.]

6) Hole hilfe.
Damit meine ich nicht nur Babysitter, Eltern oder Freunde. Sondern ich meine auch: Scheue dich nicht, dir professionelle Hilfe zu holen, wenn es dir nicht gut geht oder wenn du dich permanent überfordert fühlst. Postpartale Depression ist (auch nach dem zweiten Kind) keine Seltenheit und nicht nur zum Wohle deiner Kinder musst du dich auch um dich selbst kümmern.

7) Investiere in einen Geschwisterkinderwagen.
Dieser Punkt zählt natürlich nur dann, wenn der Abstand zwischen beiden gering ist. Wir haben einen Berg Kohle für einen richtig guten Wagen ausgegeben, weil wir dachten, wir würden ihn nach ein paar Monaten wieder wie neu verkaufen können. Falsch gedacht! Dieser Wagen hat mich so oft gerettet (wie bringe ich zwei weinende übermüdete Bündel zum schlafen???) und erleichtert mir auch heute noch das Leben sehr (Mo sitzt? Ich will auch sitzen, ich will GAR NICHT LAUFEN!!!, wohlgemerkt ist das Mädchen fast 3, aber hey, choose your battles), dass wir ihn gar nicht mehr hergeben wollen. Unserer ist der Bugaboo Donkey Duo, und er ist für unsere Zwecke perfekt. Aber es gibt sicherlich preiswertere und auch sehr gute Alternativen.


8) Enjoy.
Ha! Das hätte ich doch fast vergessen. Egal wie gestresst und müde du bist und egal wie oft die Kinder schreien und wie schei... deine Wohnung aussieht usw: Es ist wunderbar! Deine Kinder werden jetzt einander haben, bis an`s Ende ihres Lebens. Zwei Kinder zu haben ist wunderbar. Es verändert die Familiendynamik noch einmal enorm. Fühl dich nicht unter Druck gesetzt, glücklich zu sein (ich war es nicht oft). Aber sei dankbar, und halte die schönen Momente fest. Und denk dran: Es wird einfacher. Monat für Monat. Und wenn sie erst mit einander spielen können und sich umarmen, dann wird es dich ein bisschen schaudern vor lauter Glück.


Anm.: Vielleicht denkst du, die Alte spinnt und übertreibt völlig. Stimmt auch bei den meisten! Tatsächlich läuft es bei der Mehrzahl meiner Freunde sehr entspannt mit dem Geschwisterkind! In diesem Sinne wünsche ich allen bald-(Mehrfach-)Mamas alles Liebe und einen guten Start!


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