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16.05.2014

Warum bin ich oft so unzufrieden als Mama?

Vor 10 Jahren war ich, damals unternehmungslustiges Singlemädchen, ein paar Wochen
alleine in Neuseeland unterwegs. Ich hatte gerade fürchterlichen Liebeskummer und
wollte in der großen Welt ein bisschen vergessen, wer ich war. Wenn ich nur fremde
Leute um mich hatte, konnte ich dann nicht auch eine andere werden?

An einem strahlenden Frühlingstag erreichte ich mit einer Gruppe anderer Touristen
das kleine, wunderschöne Bergdorf Franz Josef. Es war so angenehm, ein völlig
unberschriebenes Blatt zu sein, tausende Kilometer von zuhause entfernt. 
Ich fing gerade an mich wunderbar wild und frei zu fühlen, damals, in dieser Kneipe
irgendwo in Neuseeland. In der nächsten Sekunde traute ich meinen Augen nicht. 
Ein blondes Mädchen kam ungläubig auf mich zu und fragte, Sue?? Bist du das? - 
Und tatsächlich - hier, am Anderen Ende der Welt, traf ich zufällig eine alte 
Freundin aus München und -ZACK!-, war alles wieder da. Ich, mein Leben, mein 
Kontext. Im Guten wie im Schlechten.

Worauf will ich hinaus? 

Mutter-Sein. Der Punkt ist: Wir können nicht aus unserer Haut. Wir bleiben, 
wer wir sind. auch wenn durch diesen extremen Einschnitt des Mutter-Werdens sich
so Vieles im Leben verändert und wir unendlich viele neue Aspekte an 
Persönlichkeit dazu gewinnen - und vielleicht so viele neue Seiten an uns 
 
entdecken, dass uns mitunter die Luft wegbleibt - die Essenz unserer 
Persönlichkeit bleibt dieselbe.

Nun liegt es aber in der Natur der Sache, dass man als Mama mitunter in ein 
seltsames Setting geworfen wird. Moment, nicht "mitunter" - sondern standardmäßig.
Immer und jeden Tag. Kinder sind super, aber leider wollen sie jeden Tag essen. 
Und manchmal auch frische Wäsche, und leider machen sie jede Menge Dreck. 

Nein, es hat nichts damit zu tun ob wir unsere Kinder lieben oder nicht. 
 
Ob wir gerne mit ihnen spielen. Ich würde töten für meine Kinder, ich halte es 
kaum einen Tag ohne sie aus, ich liebe sie über alles und bin sicher, so geht es allen
Mamas. Dennoch: Ob ich es will oder nicht, ich beschäftige mich 
(neben meinen Kindern, natürlich) permanent mit Dingen, die ich verabscheue, 
in denen ich nicht gut bin und die mich nicht interessieren: Haushalt. kochen, 
putzen, waschen. Essen planen. Flecken entfernen. Kuchen backen. Das macht mir 
keinen Spaß!

Und warum sollte es auch? 

Fast 3 Jahre lang habe ich mir den Kopf zerbrochen, was ich falsch mache. 
Wie ich mich ändern kann. Ob ich als Mutter versage, wenn ich keinen Spaß an der 
Arbeit "außenrum" habe. Warum ich auf einmal nichts mehr auf die Reihe kriege. 
Die Wohnung unaufgeräumt, die Wäsche dreckig, und ich unglaublich frustriert. 
Was ist nur aus mir geworden?

Die Antwort ist: Nichts anderes als vorher. Ich bin einfach nur ICH geblieben. 
Vorher war ich in meinem Beruf einigermaßen erfolgreich, effizient, diplomatisch,
leitete ein lustiges Team von 12 Leuten, und bekam regelmäßig gutes Feedback. 
Heute kann ich nicht effizient sein, weil ich keine Tätigkeit länger als 2 Minuten
am Stück ausüben kann, ohne dass sich mein 1-Jähriger fast den Hals bricht. 
Ich kann mir meine Diplomatie in die Haare schmieren (Ich zähl bis drei...), 
und bekomme gar kein Feedback außer "ich hab keine Strümpfe mehr (Mann) bzw.
"Mama toll, du hast Pipi gemacht!" (Tochter). 

Heute komme ich also zu dem beruhigenden Schluss, dass ich einfach andere Sachen
gut kann. Nicht Haushalt, nicht kochen, und leider am allerwenigsten putzen. 
Deshalb bin ich noch lange kein Versager, und schon gar nicht als Mama. 
Meine Kinder werden heiß geliebt, und ich verbringe lieber Zeit damit noch ein 
paar mehr Legosteine mit ihnen durch's Wohnzimmer zu werfen, als die alten
aufzuräumen und danach noch den Teppich zu saugen. 

Und auch wenn meine eigene Mama, ein Kind der 50er, mich schimpft: 
Meine Kinder werden's mir nachsehen.

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