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18.09.2014

Ha-Ha-Hausfrau

Neulich, auf der Bank. Gerade waren wir dabei mehrere Hunderttausend Euro auszugeben und mich hat schon ein leicht beklemmendes Engegefühl im Hals beschlichen, weil man verschuldet sich schließlich nicht alle Tage hoch. Also ich weiß ja nicht wie es euch geht. Grundkonstitution insgesamt eher mittelmäßig, ich schnappe gerade nach Luft wie ein zappelndes Fischlein, weil der Typ für langfristige Entscheidungen, das bin ich nicht! Ein Mann und zwei Kinder, das langt mir als Committment locker bis an mein Lebensende. muss jetzt nicht noch ein Hauskauf dazu kommen, das löst starke Fluchtreflexe in mir aus und als ich mich gerade konzentriere diese zu unterbinden, unterbricht mein freundliches Anzug tragendes Gegenüber meinen Gedankenwust mit der Frage, 'Frau J., was machen Sie beruflich?', und mir fällt tatsächlich nichts anderes ein als 'ich, äh.'

Mein Mann springt hilfreich ein, 'sie ist Teamleiterin in Elternzeit, aber der Job war in München.'
Ich, 'genau, also äh, ich arbeite gerade nicht, die Kinder sind ja noch so klein, und jetzt muss ich mir erst mal was Neues suchen, äh.'

Der Herr von der Bank sagt freundlich, 'also Hausfrau.' Und freut sich, weil er die richtige Antwort im das leere Feld tippen kann.

Hausfrau.
Hausfrau?

Jetzt halte ich mich kurz am Tisch fest, wegen diesem Fluchtreflex, und weil mir kurz so komisch schwummerig wird. Hey Moment mal, ich Hausfrau, hastdusie noch alle, ich bin doch die total coole Karrierefrau, die zufällig zwei Kinder gekriegt hat und gleich weiter arbeitet -nämlich dann, wenn irgend ein bekiffter Personaler Lust hat auf eine quer einsteigende Teilzeitmama mit durchschnittlich 24 zu betreuenden Virusinfekten pro Jahr ...

Okay, ich bin Hausfrau. Mein Gehirn schlägt mir eben vor, die Tatsache aus Mangel an realistischen Alternativen zu akzeptieren. Ich überlege, was ich noch vor kurzem mit diesem Begriff assoziiert habe. Tja. Wie Mama Miez es so wunderbar beschreibt - Schubladendenken. Ich bin leider schuldig, und jetzt zahlt es mir das Universum mit hämischem Grinsen heim - jetzt sitze ich selbst auf unbestimmte Zeit in genau dieser Schublade fest und kratze noch ein bisschen klaustrophobisch mit den Nägeln an den Wänden...

Ein paar Wochen später. Ein bekiffter Personaler hat sich leider noch nicht gefunden, ich bin also immer noch arbeitslos, hochverschuldet, und Hausfrau. Aber! zumindest habe ich jetzt ENDLICH! die einzig vernünftige Antwort gefunden auf diese Frage, 'was machst du eigentlich den ganzen Tag?' Es ist zwar eine Lüge, weil natürlich haben wir gar keine, aber die Antwort lautet:

Der Putzfrau die Tür aufmachen.

Damit sollte zunächst alles geklärt sein, ihr Penner. Die ihr seid wie ich vor kurzem noch war. Uah! Ich geh mal eben das Wohnzimmer saugen.







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