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28.10.2014

Ein Tag ohne EILE



Wie an anderer Stelle bereits erwähnt, bin ich eine ziemliche Idiotin. Eine Hektikerin, Dränglerin, Beeilerin. Früher war ich anders (Marie Juana, ich kann die Sterne sehen... Vieles im Studium bremst einen einfach enorm, wenn ihr versteht, und Zeit gewinnt eine andere Bedeutung...), aber seit ich diesen verrückten Job mit den viertelstündlichen Deadlines hatte, bin ich leider zur eiligen Person mutiert.

Bekannterweise entspricht das mit der Eile dem Naturell des Durchschnittskinds nicht so ganz. (Ich: "Kommt Kinderchen, husch husch, wir sind spät dran, beeilt euch!" - Kind: "Schau mal da, ein Stein! Eine Schnecke! Eine Kastanie! EIN BLATT!", etc.)

Und wenn ich schon sonst nix auf die Reihe bekomme (kein Job, kein Schweinebraten, keine Rettung des Weltfriedens in Sicht), dann will ich mich heute wenigstens mal auf anderer Ebene nützlich machen und werde diesem Tag das Motto geben, frei nach Emmi Pikler: Lasst mir Zeit.

Heute wird ein Tag ohne Eile. Ich werde meine Kinder, meinen Mann und mich heute kein einziges mal drängeln.

Ich werde berichten.

27.10.2014

Just for me Moments 43/2014

Sonntag Nachmittag auf der Autobahn, mein Herz fliegt über mir, voll und so leicht und voller Oktobersonne, und hüpft vor Vorfreude auf die Kinder. Und hüpft vor Nach-Freude über die letzten 24 Stunden, nur der Mann und ich, alleine und in Ruhe und für einen kurzen Moment wieder wir von früher.


Meine Vorstellung von Luxus: Ein gutes Buch, eine sehr schlechte Zeitschrift, die warme Luft der Sauna, die zu unseren Liegen rüber wabert und dafür sorgt, dass sogar meine permanent schlecht durchbluteten Mädchenfüße bis ins letzte Molekül durchgewärmt sind. Er neben mir, seine immerwarmen behaarten Zehen neben meinen, wir reden nicht viel, weil wir nicht müssen. Nichts besprechen, nichts organisieren, nicht uns gegenseitig antreiben. Drei Stunden Zeit.


Irgendwann spüre ich, dass er mich ansieht und grinst und dann sagt er, "du!"; ich grinse auch und sage, "ja, ich!", und er, "komisch, gell?", und ich weiß genau was er meint, und wir grinsen beide und ich freue mich still über ihn und seine Vorstellung von Romantik und über mein ganzes Leben, dem ein bisschen Abstandsbetrachtung so gut tut.


Und essen gehen, zum ersten Mal in meinem Leben Champagner bestellen und mich freuen, dass es seine Lieblingsnachspeise gibt bei diesem Thai, und spät abends noch einen Espresso trinken, weil es ist ja egal, weil wir werden spät schlafen. Am nächsten Morgen Nutellabrot und Kaffee im Bett, reden und noch eine ganze Stunde lesen bis das Frühstückscafé öffnet, "Das Schicksal ist ein mieser Verräter", und wenn mir wieder die Tränen das Gesicht fluten und ich nicht mehr kann wegen dieser Geschichte, die mir den Bauch verknotet, dann schnell zur InTouch wechseln und dann wieder zurück und mich noch mehr darüber freuen, wie gut wir es haben.


Ein paar Wochen mit einer absurden Ansammlung nerviger Kleinerkrankungen im Dreier-Roulette - überstanden! (Fieber, Hand-Mund-Fuß, grippale Infekte, Stimmbandentzündung, Aphten, beidseitige Sehnenscheidentzündung - hallo Herbst)


Danke, Pia, für die gute Idee und für's wöchentliche Erinnern daran, dass wir uns bitteschön auch um uns selber kümmern müssen! Habt eine wunderschöne Woche.

21.10.2014

Dieser Moment im Auto...

... wenn ich zum dritten Mal inbrünstig "das Lied der Schlümpfe" singe und merke, dass beide Kinder tief und fest eingeschlafen sind ...

09.10.2014

Nicht nur der Bankangestellte meines Vertrauens hat Alpträume wegen mir

Gestern hatte ich ein verstörendes Erlebnis. Gerade war ich dabei einen Zettel für eine Bank auszufüllen, mit ziemlich genau 3 1/2 Jahren Verspätung. Darauf hat mich der freundliche Bankangestellte persönlich hingewiesen. Unser Gespräch war übrigens auch verstörend, aber ich fürchte, eher für ihn.


Jedenfalls war ich gerade ein bisschen stolz, als ich so dasaß und den Zettel ausfüllte. Wie gut es tut Dinge zu erledigen, Struktur und Ordnung ins Leben zu bringen und so.
Dann musste ich meine Steueridentifikationsnummer eintragen. Und die von Ella. Und die von Mo. Und ihre Kindergeldpersonalnummern. ???? Kindergeldpersonalnummern - die haben so was?! Alarmiert legte ich den Stift beiseite und überlegte, wie ich es dem Bankangestellten beibringen könnte, dass ich noch zwei weitere Jahre zum Ausfüllen des Zettels benötigen würde. So lange würde es nach meinen groben Berechnungen dauern, bis ich die erwähnten Nummern in meinen Ordnern ausfindig machen könnte. Ich warf den Stift und den Computer gegen die Wand und wählte den Notruf. Meinen Mann. Nicht erreichbar, er muss ja unbedingt jeden Tag in die Arbeit gehen. Erbost schimpfte ich ein paar beleidigende Wortschöpfungen für das Finanzamt vor mich hin und suchte meine Ordner. Oder eher: Meine "Ordner".


Da geschah es.
Ich sah zwei Ordner vom Mann. Beschriftet. Schlug sie auf. Innen - Trennblätter. Beschriftet. Mit den richtigen Sachen und ohne Durchstreichen. Lesbar und nach Datum sortiert. Ich kratzte mich am Kopf und fragte mich, ob ich zufällig gerade ins Koma gefallen bin und vom Epizentrum unseres Finanzamts alpträume. Aber es stimmte tatsächlich. Ich fand die gesuchten Nummern INCLUSIVE MEINER EIGENEN Steuernummer innerhalb von 3 1/2 Sekunden in den Ordnern meines Mannes.


Ich weiß ja nicht wie es euch geht; ich halte mein Gehirn für gut organisiert und finde, das muss reichen und es muss ja nicht immer alles gleich nach außen getragen werden. Ich besitze mehrere "Ordner" (ich fürchte, es befinden sich Unterlagen von Banken darin, die es gar nicht mehr gibt), eine Vor-Ablage für die Ordner (kann ja nicht immer gleich alles einordnen) und eine Schnell-Ablage vor der Vor-Ablage (auch bekannt als: unser Küchenstuhl). Und für alles andere hab ich noch eine Schublade.


Der Mann hat: Zwei Ordner. Und verzieht sich jedes zweite Wochenende stundenlang auf den Dachboden um "Admin" zu machen, wobei ich ihn beschuldige mit halb geschlossenen Augen auf dem Sessel zu liegen und sich den Hintern zu kratzen, während ich unten zwei Kleinkinder durch die Luft werfe und einarmig Mittagessen koche. Er sagt, "du machst ja nie Admin." Und ich: "Natürlich nicht, wozu auch?" Dann schreien wir uns ein bisschen an und jeder geht seine Wege.


Ich finde ja, er übertreibt, weil seit dem Brief mit dem Gerichtsvollzieher öffne ich meine Post auch öfter. Naja, ehrlich gesagt öffnet er meine Post mittlerweile. Oder zwingt mich dazu, wenn ich daneben stehe. Manchmal frage ich mich, ob er nicht eigentlich meine perfekt organisierte wunderhübsche Freundin heiraten wollte, mich dann aber irgendwie beim Heiraten verwechselt hat. So wie meine Oma damals, die dachte dass ich seinen Trauzeugen heirate. Ich hab den Mann jedenfalls nicht verwechselt, es war auch höchste Zeit, irgend jemand musste schließlich mal meine Steuererklärungen machen.


So, jetzt muss ich meine Bewerbung fertig schreiben. Mein Organisationstalent stelle ich unter Beweis.
Ich breche mal eben in schallendes Gelächter aus.


P.S. Baby, ich liebe dich! Und nicht nur für das. Dein Schubladen-Messie.



06.10.2014

Just for Me Moments 40/2014

Dienstag.
Krank. Ins Bett legen. Nicht schlafen können, stattdessen Gedanken von links nach rechts schieben und wieder zurück. Mich ärgern über das blöde Grübeln und warum kann ich mich nicht entspannen? Wieder aufstehen. Aufs Sofa setzen. In Ruhe einen Kaffee trinken, ein Nutellabrot essen und mich selbst schimpfen, dass ich diesen Moment nicht genießen kann.
Wohin mit mir? Mitte Ende Zwischen Mitte und Ende 30, zwei prima Kinder, einen Mann, den ich nur manchmal auf den Mond schießen will - alles super. Nur keinen Job. Ich will aber endlich wieder einen. Rausgehen, sitzen, denken, mit Menschen reden, die sich nicht in die Hose machen. Feedback bekommen. Zum Familieneinkommen beitragen. Den Gedankenkreislauf endlich wieder erweitern.


Zwei Absagen bekommen und von der dritten Bewerbung schon zu lange nichts gehört. Ich lege mich wieder in's Bett und freue mich, dass die Kopfschmerztablette zu wirken beginnt.


Mittwoch.
Immer noch krank, aber schon ein bisschen besser. Der Mann bringt die Kinder in den Kindergarten, und ich bin froh, noch nicht aus dem Haus und in die Oktobermorgenfrische zu müssen, die ich eigentlich sehr mag. Um 8 ist es noch richtig nachtkalt, aber wenn die Morgensonne es sich gemütlich gemacht hat, werden es vielleicht nochmal 20°. Ich kneife auf dem Weg zum Sofa die Augen fest zusammen um das ich-müsste-dringend-staubsaugen-Gefühl nicht herein zu lassen, schließlich bin ich krank, und schaue kaffeetrinkend die letzten Folgen von Mad Men. Jetzt aber! Geht doch! Heute deprimiert die Serie mich nicht einmal, sondern ich freue mich über den Spannungsbogen am Ende der 6. Staffel. Nicht Breaking Bad, aber besser als Verbotene Liebe.

Die restliche Woche war schön, aber keine Zeit Sue-Sachen zu machen außer so Zeugs am Abend.


Also JFMM, das muss besser werden.


Zu erledigende Genüsse:
- Sport, der nicht aus "sich strecken um den Spiegel zu putzen" bzw. "Sohn nachrennen" besteht;
- zum Friseur gehen UND shoppen (für mich);
- ordentlich angezogen und frisiert das Haus verlassen;
- eine Kürzestgeschichte schreiben;
- ganz alleine mit einem Murakami in der Hand auswärts Mittag essen.


Wie immer - danke, Mama Miez, für die gute Idee der JFMM!

02.10.2014

Penisneid, reloaded

Ich bin gerne nackig.
Nicht auf eine Moulin-Rouge-exhibitionistische Art; ich mag es einfach, Luft und die Grenzenlosigkeit des Nicht-Kleidung-Tragens zu spüren.
Meine Kinder haben mich auch gerne nackig. Da können sie Muttermale pieksen, im Nabel bohren, zwei still-gebeutelte (wah) Brüste bewundern und laut auf meinen Bauch klopfen. Sie selbst sind auch gerne nackig, laufen dann laut "ich bin nackig!!!"-rufend und tanzend durch's Haus, es scheint ein ungestümes Freiheitsgefühl in ihnen zu wecken, ich liebe das. Diesen unbeschwert-schöpfungsnahen Umgang mit Nacktheit und Sexualität, so rein, so pur.


Wie neulich. Als Mo im Kindergarten konzentriert daran arbeitete, mein Shirt zu lupfen, dem staunenden Personal meine schwangerschaftsverwöhnten Speckröllchen zu präsentieren um laut "BAU!" zu schreien und selbigem mit seinen Patschehändchen ein lautes Klatschgeräusch zu entlocken. Ich, schamesrot: "Äh, er klopft gerne auf Bäuche..." Das Personal: "Das sehen wir, du Freak. Was genau macht ihr zuhause?"


Wenn ich mit Ella auf einer öffentlichen Toilette bin, fragt sie gerne: "Mama? Kommt jetzt wieder Blut aus deiner Scheibe?"
Ja, bei uns heißen die Geschlechtsteile so, wie sie eben heißen. Penis und Scheide. Penis kann Ellachen schon prima aussprechen, wir haben geübt. Schließlich bin ich Linguistin. So geschah es, dass wir, frisch nach Franken gezogen und Ella war gerade 2 1/2, in der Nürnberger Altstadt standen und ich den Kindern den neuen Fluß zeigte. "Schaut mal, das ist die Pegnitz! Ella, sag mal Peg-nitz!" Darauf Ella stolz: "Pe-nis! Der Mo hat auch einen Penis!"
Ja. Der junge Herr neben uns hätte sich vor Lachen beinahe mit seinem eigenen bepieselt.
Mo dagegen lächelte still in seinem Buggy. Schließlich hat er erst vor kurzem entdeckt, dass es da noch dieses Spielzeug gibt, das er IMMER dabei hat! Als er seinen Penis zum ersten Mal gefunden hat, sah er mich an mit diesem Blick: "Mama, und das finde ich erst JETZT? Ich fasse es nicht, das tollste Spielzeug hängt an mir dran und keiner sagt mir Bescheid?" Und dann dachte er wahrscheinlich, "egal, ich muss mal eben... daran... ziehen..."


Auf seine etwas brachiale Mo-Weise zieht er an seinem Penis, dass ich kopfschüttelnd daneben stehe, das muss doch weh tun? Und Ella sitzt daneben, schaut ihn nachdenklich an und sagt dann voller Überzeugung: "Mama, ich will AUCH endlich mal einen Penis haben!"


Tja, Kinder, manche Wünsche müsst ihr euch eben selbst erfüllen. Operativ, mit 18. Oder vielleicht auch einfach nicht, wer weiß? Lasst uns in zehn Jahren nochmal darüber reden.