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09.10.2014

Nicht nur der Bankangestellte meines Vertrauens hat Alpträume wegen mir

Gestern hatte ich ein verstörendes Erlebnis. Gerade war ich dabei einen Zettel für eine Bank auszufüllen, mit ziemlich genau 3 1/2 Jahren Verspätung. Darauf hat mich der freundliche Bankangestellte persönlich hingewiesen. Unser Gespräch war übrigens auch verstörend, aber ich fürchte, eher für ihn.


Jedenfalls war ich gerade ein bisschen stolz, als ich so dasaß und den Zettel ausfüllte. Wie gut es tut Dinge zu erledigen, Struktur und Ordnung ins Leben zu bringen und so.
Dann musste ich meine Steueridentifikationsnummer eintragen. Und die von Ella. Und die von Mo. Und ihre Kindergeldpersonalnummern. ???? Kindergeldpersonalnummern - die haben so was?! Alarmiert legte ich den Stift beiseite und überlegte, wie ich es dem Bankangestellten beibringen könnte, dass ich noch zwei weitere Jahre zum Ausfüllen des Zettels benötigen würde. So lange würde es nach meinen groben Berechnungen dauern, bis ich die erwähnten Nummern in meinen Ordnern ausfindig machen könnte. Ich warf den Stift und den Computer gegen die Wand und wählte den Notruf. Meinen Mann. Nicht erreichbar, er muss ja unbedingt jeden Tag in die Arbeit gehen. Erbost schimpfte ich ein paar beleidigende Wortschöpfungen für das Finanzamt vor mich hin und suchte meine Ordner. Oder eher: Meine "Ordner".


Da geschah es.
Ich sah zwei Ordner vom Mann. Beschriftet. Schlug sie auf. Innen - Trennblätter. Beschriftet. Mit den richtigen Sachen und ohne Durchstreichen. Lesbar und nach Datum sortiert. Ich kratzte mich am Kopf und fragte mich, ob ich zufällig gerade ins Koma gefallen bin und vom Epizentrum unseres Finanzamts alpträume. Aber es stimmte tatsächlich. Ich fand die gesuchten Nummern INCLUSIVE MEINER EIGENEN Steuernummer innerhalb von 3 1/2 Sekunden in den Ordnern meines Mannes.


Ich weiß ja nicht wie es euch geht; ich halte mein Gehirn für gut organisiert und finde, das muss reichen und es muss ja nicht immer alles gleich nach außen getragen werden. Ich besitze mehrere "Ordner" (ich fürchte, es befinden sich Unterlagen von Banken darin, die es gar nicht mehr gibt), eine Vor-Ablage für die Ordner (kann ja nicht immer gleich alles einordnen) und eine Schnell-Ablage vor der Vor-Ablage (auch bekannt als: unser Küchenstuhl). Und für alles andere hab ich noch eine Schublade.


Der Mann hat: Zwei Ordner. Und verzieht sich jedes zweite Wochenende stundenlang auf den Dachboden um "Admin" zu machen, wobei ich ihn beschuldige mit halb geschlossenen Augen auf dem Sessel zu liegen und sich den Hintern zu kratzen, während ich unten zwei Kleinkinder durch die Luft werfe und einarmig Mittagessen koche. Er sagt, "du machst ja nie Admin." Und ich: "Natürlich nicht, wozu auch?" Dann schreien wir uns ein bisschen an und jeder geht seine Wege.


Ich finde ja, er übertreibt, weil seit dem Brief mit dem Gerichtsvollzieher öffne ich meine Post auch öfter. Naja, ehrlich gesagt öffnet er meine Post mittlerweile. Oder zwingt mich dazu, wenn ich daneben stehe. Manchmal frage ich mich, ob er nicht eigentlich meine perfekt organisierte wunderhübsche Freundin heiraten wollte, mich dann aber irgendwie beim Heiraten verwechselt hat. So wie meine Oma damals, die dachte dass ich seinen Trauzeugen heirate. Ich hab den Mann jedenfalls nicht verwechselt, es war auch höchste Zeit, irgend jemand musste schließlich mal meine Steuererklärungen machen.


So, jetzt muss ich meine Bewerbung fertig schreiben. Mein Organisationstalent stelle ich unter Beweis.
Ich breche mal eben in schallendes Gelächter aus.


P.S. Baby, ich liebe dich! Und nicht nur für das. Dein Schubladen-Messie.



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