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06.11.2014

Mama sucht Job




Früher dachte ich einmal, dass ich selbstverständlich nach einem Jahr Elternzeit wieder anfangen würde zu arbeiten. Weil ich mich kenne und weiß, dass ich eine derjenigen bin, die raus müssen und Input brauchen und Abwechslung, weil sie sonst unglücklich werden.

Zumindest hatte ich in einem Punkt recht: Ich wollte nach einem Jahr wieder anfangen zu arbeiten.

Heute bin ich seit 3 Jahren und 6 Monaten in Elternzeit.

Und erst heute weiß ich: Es ist eine wirklich saublöde Idee, sich als Mutter einen neuen Job in Teilzeit zu suchen. Sau. Blöd.

Als ich in der 9. Woche schwanger war, teilte mir meine Chefin (übrigens selbst Mutter zweier Kinder) mit: Entweder du kommst in Vollzeit zurück oder gar nicht. Nicht rechtens? Dein Job ist nicht teilzeitfähig. Du hast Führungsverantwortung. Also dann noch ne schöne Schwangerschaft.

Seitdem sind wir 2x umgezogen und mittlerweile wohnen wir in exakt 169km Entfernung von meinem damaligen Arbeitgeber. Wiedereinstieg scheidet für mich also völlig aus.

Als Ella gerade 13 Monate alt war, habe ich einen neuen Arbeitsvertrag unterschrieben. Zwar unterirdisch schlecht bezahlt, aber immerhin. Am Tag der Unterzeichnung (kein Witz) hatte ich außerdem einen positiven Schwangerschaftstest in der Hand. In der 8. Woche bat mich mein Arbeitgeber in Spe, den Arbeitsvertrag aufzulösen.

Jetzt ist Mo 18 Monate alt und ich suche seit 6 Monaten einen neuen Job. Und bekomme: Keinen. Nicht mal ein Interview. Manche haben nicht einmal Lust auf eine Rückmeldung. Ein Personaldienstleister sagte, er wüsste wirklich keinen Kunden für mein Profil.

Ich weiß, ich habe ein Wischiwaschi-Profil. Keine Geradlinigkeit, zu viele Umwege, ein Wegwechsel, ein Experiment. Dennoch: Abgeschlossenes Hochschulstudium, diverse Praktika, ein Jahr im Ausland studiert, eines im Ausland gearbeitet. Kein einziger Monat Lücke im Lebenslauf. Und 5 Jahre Arbeitserfahrung mit Personalverantwortung; am Ende war ich stellvertretende Abteilungsleiterin.

Und jetzt?

Leute, ich bin ja nicht blöd. Ich war dabei. Ich weiß, wie beschissen nervig es ist, wenn man endlich ein Projekt mit einer brauchbaren Person besetzt hat und dann kommt dieses Gespräch, äh, ich bin schwanger. Es ist natürlich zum Kotzen, für das Projekt. Für mich als Teamleiter. Für den Kunden. Hey - so fucking what? Es ist wunderbar für dich, für mich (deinem Bauch beim Wachsen zuzusehen), für deine Mama (die endlich Oma wird), und für die Gesellschaft sowieso. Ich weiß auch wie beschissen nervig es ist, wenn die Teilzeitmama um 14.00 aus dem Büro rennt wie Usain Bolt. Ich habe es gesehen. Der Kunde schreit, aber sie hört es nicht, die Türe ist schon zu. Muss wieder jemand anders einspringen. Ja! Willkommen im Leben - so läuft es eben, ein Arbeitsleben mit einander! Ist doch super! Morgen springt die Teilzeitmama wieder für die anderen ein.

Tja, hier bin ich also. Anfangs habe ich mich auf Stellen beworben, die schon immer mein absoluter Traum waren. Mein Herz haben kreiseln lassen vor Aufregung. Dann auf Stellen, von denen ich dachte - ok, nicht top, aber vielleicht wird es ganz interessant. Und jetzt - ich will es nicht einmal aufschreiben.

Natürlich haben mich meine Kinder verändert. ICH habe mich verändert, seit ich Kinder habe. Seitdem sind wir umgezogen und ich habe auch keine Freunde mehr. Das verändert mich auch. Das ist alles ok und es ist eben so, aber dass ich jetzt feststecke in diesem wozu-habe-ich-eigentlich-studiert, gepaart mit der beschissensten Frage der Welt, die ständig von außen kommt - das schlägt meinem alten Ich zunehmend und mit Wucht den Kopf ab. Soll ich jetzt noch vierundzwanzig Kinder kriegen, damit sich die Frage nach der Arbeit gar nicht mehr stellt? (Leider zu alt.) Soll ich Betty Draper werden? Oder weiterhin leise über die böse Arbeitswelt vor mich hin schimpfen? Die Hoffnung nicht aufgeben? Ich weiß es wirklich nicht.

Das ist meine Geschichte. Tolle Heldin.

Geht es jemandem da draußen vielleicht genauso?

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