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20.11.2014

MOVE! YOUR! ASS!

OK Freunde, es ist folgendermaßen. Früher einmal war ich ein aktives und ziemlich durchtrainiertes Mädchen, und dann habe ich zwei Kinder gekriegt.

Moment. So einfach ist es nicht. Meine Kinder sind zwar an Vielem schuld (zum Beispiel habe ich jetzt chronische Verstopfung, weil ich nie in Ruhe auf's Klo gehen kann und mich immer beeilen muss; außerdem habe ich ständig schreckliche Ohrwürmer, die mich bis in den Schlaf begleiten; meine Nutellabrote esse ich jetzt heimlich, und ich backe regelmäßig. Ich BACKE! Etc.) - aber für alles kann ich sie doch nicht verantwortlich machen.

Sie können zum Beispiel nix dafür, dass ich faul geworden bin, was Beschäftigung mit meinem Körper betrifft. Ich meine nicht Sex, sondern normalen Sport. Keine Sorge - das wird kein Bindegewebsstraffungs-Post oder so'n Zeug- das ist Geschichte.

Vor einem gefühlten Jahrtausend habe ich ein Jahr in Mexiko gelebt und gearbeitet. Nicht auf die romantische Tour, mit Tequila, Sombreros und schlafenden Hunden, und ständig lässt sich jemand träge in den warmen Ozean gleiten. Bei mir war es eher unglamourös - hässliche Stadt, viel schlecht bezahlte Arbeit, ein kalter Winter ohne warmes Wasser und Heizung. Dort hatte ich einen mexikanischen Freund, der schwerer Alkoholiker war. Was soll ich sagen - ich übe schon immer eine geheimnisvolle Anziehung auf Problemkinder aus.
Wo will ich hin mit meiner Geschichte?, wird sich der aufmerksame Leser völlig zu Recht fragen. Keine Sorge, ich komme gleich zum Punkt. Damals ging ich joggen. Oft, und sehr motiviert, drehte ich in einem kleinen Dreckspark direkt neben einer 6-spurigen Straße eisern meine Runden. Und in meiner euphorischen Sportbegeisterung gelangte ich bald zu der tiefen Überzeugung, dass ich meinen Freund, den Alkoholiker, mithilfe des richtigen Sportprogramms heilen könnte.


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[Jetzt stellt euch bitte kurz vor, wir mir alle Einwohner Mexikos der Welt unter schallendem Gelächter einen Doppelvogel zeigen.]
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Ja, auch ich verfüge über eine gewisse Lernkurve. Heute bin ich nicht mehr so verrückt zu glauben, dass Sport Krankheiten heilen oder die großen Probleme des Lebens in Ordnung bringen könnte.
Aber ich bin immer noch der festen Überzeugung:  Bei praktisch allem anderen hilft Sport. Vorgestern war ich endlich einmal wieder beim Yoga, und nach einer Stunde völliger Verausgabung ist mir plötzlich wieder klar, was dieses Geschwätz über Verschmelzung von Körper und Geist bedeuten soll. Die kleinen Stress-Knötchen in meinem Hirn lösen sich auf und tanzen, ich fühle auf einmal dass meine Gesichtsmuskeln auch über einen Entspannungsmodus verfügen, und ich fühle mich wie ein Kolibri. Leicht und flatternd und froh. Zum ersten Mal seit einem halben Jahr atme ich wieder tief und fühle Weite in meinem Körper und Kraft. Ich hatte es vergessen, dieses Gefühl, so wie ich manchmal vergesse zu trinken und mich dann über Kopfschmerzen wundere.



Tja, und jetzt - kämpfen sie wieder in meinem Hirn, Engelchen und Teufelchen.


- Engelchen: "Schau, wie gut dir das tut! Dir und deshalb deiner ganzen Familie, wenn du dich mal ein bisschen anstrengst und danach entspannst! Do more of what makes you happy und so!"
- Teufelchen: "Lass sie in Ruh', sie ist müde."
- Engelchen: "Und für dein Popöchen ist das sowieso prima, schau mal wie das schon runter hängt. Das braucht dringend Festigung."
- Teufelchen: "Du wirst auch gleich runter hängen. In ihrem Alter ist das doch eh schon egal."
- Engelchen: "Komm steh auf, Sue! MOVE! YOUR! ASS!!! Es gibt keine Entschuldigung!"

- Ich: "Klappe, ihr beiden. Also, mit meinem Hintern könntest du Recht haben. Aber völlige Erschöpfung zählt ja wohl als Entschuldigung, oder?! Ebenso wie hormonelle Verwirrungen und Homeland."

Dazu fällt Engelchen und Teufelchen nix mehr ein und ich hüpfe vergnügt auf einem Bein. Jeder gewinnt. Könnt euch später bedanken.

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