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05.03.2015

Warteschleife

Mo hat gerade Fieber bekommen. Schon wieder. Bitte keine Influenza. Küchenplanung, die ganze Baustelle, Jobsuche, Selbstfindung, Schreiben, Entrümpeln und Strafzettel bezahlen ... ab in die Warteschleife.

Ich werde jetzt mal ausprobieren, nach wie vielen Tagen in-der-Wohnung-sitzen und fiebriges-Kind-tragen ich zum Vampir werde.

Bis dahin - gehabt euch wohl...

02.03.2015

Glücksmomente 09/2015: Urlaub am Schliersee

Letzte Woche waren wir am Schliersee und machten Urlaub auf dem Bauernhof.
Ein perfekter Urlaub? Weit gefehlt. Ein schöner Urlaub? JA!!!

Mo kämpft wieder mit zwei neuen Backenzähnen. Er ist ungeduldig, schlecht gelaunt, quengelig, fordernd, laut. Das ist anstrengend für ihn, für seine Schwester, und - äh, für uns. Pech, dass diese Phase gerade in unsere Urlaubswoche gefallen ist. Glück, dass wir alle den ganzen Tag für ihn da sein konnten. (So kuschel-Rosenmontags-rosa läuft es eben doch nicht immer...)

Wir sind Schlitten gefahren und mit der Pferdekutsche, wir waren plantschen im Hallenbad und haben zu viele Pommes gegessen. Gesamturteil, trotz schlechtem Wetter: Ziemlich wunderbar.


Der erste Blick auf die Berge. Ich habe sie so vermisst.


Unser wunderschöner Bauernhof in Schliersee.

Pferde und Berge? Ich bin im Himmel.

Fertigmachen zur Kutschfahrt.

Mehr davon, bitte!

 
Mehr Glücksmomente gibt es wie immer bei Pia. Danke für die schöne Idee!
 
 
Und sonst so: Die Baustelle. Fenster und Estrich sind drin. Parkett und Fliesen sind bestellt. Wohnung ist gekündigt. Küche... fehlt noch. Uah! Noch 8 Wochen! Könnte knapp werden...

 

01.03.2015

Schnell, (ziemlich) gesund, kindertauglich und pipi-einfach: Schoko-Apfel-Kuchen

 

 
 

 
 
Wie versprochen, schon geliefert:
Teil 2 meiner weltberühmten Serie "Die einfachsten Rezepte der Welt für Leute, die eigentlich nicht kochen" . Oder backen. So wie ich, und nicht nur unsere Küchenplanerin habe ich dadurch bereits brüskiert...
 
Früher lebte ich nach dem Credo "kein Mensa- und kein Fertiggericht kann so schlecht schmecken, wie ich koche." Aber jetzt habe ich Kinder, die anmaßenderweise ständig essen wollen. Das wiederum finde ich so kräftezehrend, dass ich selbst mehr Heißhunger auf Süßes entwickelt habe als meine Kinder.
OK, das war gelogen. Für Mo wäre es eine Sache der Höflichkeit, ihm statt Butterbrot ca. 320 Bummbärchen zum Frühstück zu kredenzen. Aber das tue nicht mal ich, auch nicht zum Nachmittagssnack. Da jedoch meine Schätzelchen derzeit lieber nichts essen als Apfel? Banane? Mandarine? Tu das weg!, und ich das Unterzuckerungsloch gegen 16.30 und damit verbundene emotionale Kernschmelzen tunlichst vermeiden möchte, und Hirsekringel nicht leiden kann, gibt es nachmittags manchmal KUCHEN. Nicht irgend einen Kuchen, nein - einigermaßen gesunden Kuchen. Und der geht sogar bei meinen Kindern weg wie nix. Backen? Kindergeburtstag!

Zutaten (für ein Backblech):

2 kleine geriebene Äpfel
250 g (Vollkorn-) Mehl
1 Pck Backpulver
160 g Zucker
2 Eier
100 ml geschmacksneutrales Öl
200 ml Milch
2 Handvoll Schokotropfen

Tun:
Eier, Öl und Milch verquirlen.
In einer separaten Schüssel Mehl, Backpulver und Zucker mit einer Gabel verrühren.
Beides verrühren.
Zuletzt den Apfel und die Schokotropfen unterheben.

Und dann:
Bei 175°C ca. 25 Minuten backen; im ausgeschalteten Ofen noch ca. 10-15 Minuten ruhen lassen.

Abgekühlt nach Belieben mit Puderzucker bestreuen.

Das Rezept funktioniert auch mit der Hälfte der Zutaten in einer kleinen Springform. Oder du frierst die Reste ein.

19.02.2015

Glücksmomente 07/2015 oder: Meine Lieblingsphase ist: jetzt.

Wir drei schlendern durch die Stadt. Rosenmontag. Der Boden übersät von bunten Faschingskonfetti, die Mo ("warum denn, Mama?) und alle Tauben sehr verwirren. Wir sind fröhlich und ziellos und irgendwann beschließe ich, dass es Zeit ist für Kuchen. Die Kellnerin sieht mich ein wenig erstaunt und belustigt an, als ich mich mit den Kindern auf eine Bank quetsche, Mo auf meinem Schoß, Ella neben mir. Wir bestellen Schoko-Kokos-Kuchen, Apfelschorle und Cappuccino und kritzeln Katzen und Schneemänner mit Raketen auf kleine Zettel. (Die Silvester-Raketen, die wir in unseren Schneemann gesteckt haben, haben wirklich dauerhaften Eindruck hinterlassen.) Mo befiehlt der netten Kellnerin "Kerze anzünden muss!", jetzt schaut sie wirklich verdutzt und referiert "Schere Messer Gabel Licht...", ich grinse in mich hinein und die Kinder kichern. Sie trinken einvernehmlich aus einem Glas, jeder aus einem Strohhalm, und ich schaue auf die beiden Haarschöpfchen herunter und drücke die beiden ein wenig fester an mich. Dieses Gefühl, dass sich da so warm in meiner Magengegend ausbreitet, ich glaube, man nennt es Glück. Zeit, bleib stehen...

Katastrophenbekämpfung - es mag hart klingen, aber das beschreibt mein erstes Jahr als Zweifachmama ziemlich genau. Das zweite Jahr war schon sehr viel, unglaublich viel leichter und besser. Und jetzt - beschleicht mich immer öfter dieses Gefühl: Geschafft. Es passt! Mehr noch - es ist super! Endlich kann ich meine Kinder genießen, mit ihnen Spaß haben, mit ihnen Quatsch machen. Sie sind mit 3 1/2 und fast 2 in dieser wunderbaren Phase, in der sie mich brauchen und kuscheln und sprechen lernen und in Phantasiewelten leben, aber mir gleichzeitig mit jedem Tag mehr Freiräume lassen, da die Welt und alles sie so sehr mitreißt und sie so sehr damit beschäftigt sind, mit ihrer unglaublichen und reinen Kinder-Energie alles aufzusaugen.

Oft genug weiß ich nicht, was ich tue und hoffe so sehr, die beiden mit meiner Ungeduld und meinen tausend Verfehlungen nicht zu sehr zu ruinieren. Aber manchmal fühlt sich alles so leicht an.

Und ich bin so froh.
Wie am Rosenmontag.

Mehr Glücksmomente gibt's hier bei Pia - danke!

16.02.2015

Zeitreise: Sue in Mexiko

Vor ziemlich genau 10 Jahren habe ich einige Zeit lang in Mexiko Deutsch unterrichtet. Ich war frei, wild, kinderlos - und ohne Arbeitsvertrag oder Aufenthaltserlaubnis. Ein paar Geschichten möchte ich hier wieder aufleben lassen... um mich daran zu erinnern, dass es irgendwo in mir drin noch ein ganz anderes "ich" gibt.
[Mit dem Thema des Blogs haben sie nicht das geringste zu tun, also bitte gerne weitergehen.]

März 2006: Stimmung und Stuhlgang

Zur Zeit habe ich das Gefühl, mich auf einem anderen Planeten, oder bzw. in einem Parallel-Leben zu befinden. Surreal - - ich habe oft komische Träume von Deutschland, aber mein Alltag ist mittlerweile, als ob ich nie irgendwo anders gelebt hätte. Mir fällt nicht einmal mehr auf, dass Spanisch eigentlich eine Fremdsprache für mich ist.

Ich könnte platzen vor Energie. Ich könnte singen und tanzen und finde jeden Tag unglaublich cool und freue mich jeden Morgen, dass ENDLICH wieder ein neuer Tag angebrochen ist und ich wieder aufstehen darf und die Vögelchen singen und die Luft sirrt und ... ach ... Das frühe Aufstehen macht mir rein gar nichts aus! Um 05:20 morgens klingelt der Wecker, der Vollmond scheint in mein Zimmer, und ich springe voller Elan und Frische aus dem Bett, laufe vergnügt mit meiner Thermos-Tasse Nescafe zum Bus, schaue mir den in 4 Decken eingemummten Busfahrer an, summe ein bisschen die mexikanischen Liebeslieder mit, die aus den Boxen dröhnen, setze mich neben ein paar dunkle, fertige Gestalten im Bus, laufe dann mit den Ratten zusammen durch den Müll zur Arbeit, und während ich Lieder singe, sehe ich die Sonne über den Gasflaschen der Nachbarfabrik aufgehen und denke, wie schön, hei, der Sonnenaufgang ..

Hey, ausnahmsweise keine Ironie. Ihr denkt jetzt wahrscheinlich, o weh, jetzt hat sie also doch den Verstand verloren. Aber grämt euch nicht – das muss schlicht und einfach an der extremen Sonneneinstrahlung hier liegen. Das wirkt auf mich wie eine ganze Packung Antidepressiva. Oh, ich hoffe, dass mir das in Deutschland wenigstens ein bisschen erhalten bleibt.

Und jetzt noch ein paar Worte zum Thema Stuhlgang. Die arme Kollegin K. ist seit gestern krank und hat Durchfall wie noch nie im Leben.. der Arzt hat ihr gesagt, sie soll von Mittwoch bis Freitag!!nichts mehr essen. Hey! Das ist eine gute Idee. Du hast Bakterien im Mastdarm? Dann lass die Viecher verhungern.

Apropos verhungern, einen Tag vorher konnte ich K. noch ausreden, eine prophylaktische Wurmkur zu machen. Das ist nämlich sehr beliebt hier: die Kinder machen alle sechs Monate eine Wurmkur, nur so zum Spaß. Das heißt, die Leute gehen eigentlich davon aus, dass sich ununterbrochen ein paar Tiere den Weg durch halbverdaute Tortillas fressen, mmhh. Hat nicht mal jemand erzählt, dass man fühlt, wie sie fressen?
Jedenfalls, die Mexikaner sind große Fans von "mal ein bisschen Antibiotika essen"; Folge ist, dass viele hier resistent sind und an Lungenentzündungen o.ä. sterben. Jetzt erst fangen die Leute anscheinend langsam an, die Antibiotika nicht mehr mit beiden Händen auf die Straße zu werfen und unter den Leuten zu verteilen.

Aber zurück zum Thema Stuhlgang.. also meiner ist nach wie vor ganz hervorragend. Nur so, falls das zu den Informationen gehört, die ihr dringend noch von mir haben wolltet.

Ah, ein Wort zum Schluss. Der heutige Tagesgewinner der Kategorie "Saublöde Fragen stellen" ist...:
Ein Kerl, der im Unterricht gefragt hat:
Hat das Suffix "schaft" (in Wörtern wie Gemeinschaft, Gesellschaft, etc) eigentlich was mit SCHAF zu tun?
Ja, Mann. Ich bin mir sicher. gemein Schaf t auf jeden Fall. Auch plausibel klingt Mutter Schaf t.

13.02.2015

Nein, das sind keine Schoko-Muffins, keine Halloween-Muffins und schon gar keine... ach, was soll's...

Und das Papierchen ist auch noch durchgerissen. Versagen auf ganzer Linie.

Es handelt sich um Pizza-Muffins, die 1 Std 10 im Ofen waren statt 20 Minuten. Und ich denk mir noch, komisch, angebrannter Käse riecht ein bisschen wie Baby-Durchfall. Ich sollte wirklich dringend mal wieder den Backofen putzen.

12 von 12 im Februar

Dieses 2015 hat uns bisher noch nicht viele virenfreie Tage beschert. Mo ist wieder krank, aber gestern durften wir zumindest seit 4 eingesperrten Tagen erstmals wieder kurz vor die Tür.

Nicht viel ist passiert, aber ich habe es dokumentiert - ha! Die Essenz des Blogs!

1. Guten Morgen. Keine Sonne, aber Mo ist nach 5 Tagen endlich fieberfrei aufgewacht. Hurra!
Keine Ahnung, wie ich die Aufkleber jemals wieder von der Fensterscheibe entfernen soll.

2. Mo saugt die Wohnung, wäscht und kocht Mittagessen. Dazu hört er leichte Jazzmusik.



3. Danach backt er ein Schoko-Apfel-Herz.



Im Ernst, es handelt sich um den schnellsten Kuchen der Welt, und gar nicht mal so ungesund.
Werde ich demnächst vorstellen.

4. Mittagspause wird eingeläutet. Auf einmal wieder fieberfrei, verläuft das Einschlafen auch nicht mehr so unproblematisch wie mit 39,9°...
(Versteht mich nicht falsch. Lieber knie ich den ganzen Tag neben seinem Bett.) 





5. Geschafft. Ich lese das Internet durch, koffeiniere mich und esse Erwachsenen-Süßigkeiten.


Für KINDER? Wo steht hier Kinder? Ach nein, Schatz. Das heißt K Inder. Komischer Name, ich weiß.


6. Kurze Parkett-Meditation. Welchen sollen wir nehmen?
Nicht im Bild: Die Badfliesen- und Küchenplanungs-Meditation.














7. Endlich - die große Schwester kommt vom Kindergarten nach Hause. Gestreifte Wiedersehensfreude.





8. Mama: "OK. Ihr wollt kein Obst? Probiert mal diesen leckeren Saft."
- Kinder: "Geh weg."


Netter Versuch, Mutter. Jetzt rück den Kuchen raus.


9. Wir gehen raus. RAUS! WIR DÜRFEN DAS HAUS VERLASSEN! Wenn auch nur kurz. Es tut so gut nach tagelanger Heizungsluft endlich wieder Frische (und eine Prise städtischen Feinstaub) zu atmen...



Das ist unser Weihnachtsbaum, auch genannt: "Oh Pammbaum". Heiß und innig geliebt.


10. Der gute Mann bleibt ab 17.00 bei den Kids, damit ich alleine einkaufen gehen kann. Ich bin frei! Wellen des Glücks schießen durch meinen Körper. So euphorisch fühle ich mich, dass ich mir mit viel Schwung meinen Finger in der supermarkteigenen Tiefkühltruhe einklemme. Aber so richtig. Ich hänge einige Zeit mit meinem Körper über Seelachsfilet und kühle meinen Finger an Fischstäbchen. Da mich fremde Menschen bereits stirnrunzelnd betrachten, verzichte ich auf ein Foto an Ort und Stelle. Aber so ganz möchte ich euch meinen Finger auch nicht vorenthalten.


Leider ist er nicht richtig blau geworden, sodass mich wieder niemand bemitleidet. Mist, alles umsonst.


11. Gleich weiter zum Elternkurs "Starke Eltern, starke Kinder" des Kinderschutzbundes. Es war erst die zweite Einheit, aber der Kurs (aka die Kursleitung) scheint was zu taugen. Psychogequatsche, aber hey - ich liebe Psychogequatsche. Anstrengend, aber heilsam, sich seine automatisierten Prozesse / Verhaltensweisen im Alltag bewusst zu machen.



Irgendwann werde ich dieses Bild umdrehen. Gleich nachdem ich die Steuererklärung für 2013 gemacht habe.



12. Um 21.30 ist Feierabend. Der Mann und ich frönen unserem Serienjunkietum und dann
gute Nacht.




Läuft zäh an, entwickelt sich aber gegen Mitte der ersten Staffel ganz hervorragend. Kann natürlich weder mit Breaking Bad noch Homeland mithalten, zeigt aber immerhin mehr tiefenpsychologisches Entwicklungspotential als Verbotene Liebe (ha!) und ganz entgegen meiner Erwartungen bekomme ich auch keine Alpträume.


 Mehr zu 12 von 12 gibt es wie immer bei Caro.
 
 
 
 

28.01.2015

Helikopter-Alarm

Ja! Willkommen in meinem Leben:

"Unter Helikopter-Eltern [...] versteht man populärsprachlich überfürsorgliche Eltern, die sich (wie ein Beobachtungs-Hubschrauber) ständig in der Nähe ihrer Kinder aufhalten, um diese zu überwachen und zu behüten. Ihr Erziehungsstil ist geprägt von (zum Teil paranoider) Überbehütung und exzessiver Einmischung in die Angelegenheiten des Kindes bzw. des Heranwachsenden." (http://de.wikipedia.org/wiki/Helikopter-Eltern)

Meine 3 1/2-jährige Ella wurde also zu ihrer ersten echten Kindergeburtstags-Party eingeladen. Mit allem drum und dran. Mit Abholen direkt vom Kindergarten. Ohne Eltern.

Waaah!

Während das Schätzchen sich tierisch freut, ihre Einladung mit ins Bett nimmt und nichts anderes mehr zu berichten weiß außer ich darf zu Lisa, aber du nicht, lalala lalala..., kann ich zwei Nächte lang nicht mehr schlafen. 7 wildgewordene 4-jährige (Ella ist die Jüngste). Ich wache schweißgebadet auf. Wenn sie die Treppe runter- und dann ins Koma fällt? Die haben doch so eine steile Treppe. Niemand wird auf sie aufpassen. Wenn nicht Lisas Papa, sondern ein verkleideter Axtmörder sie abholt? Wenn sie in die Hose macht, oder schlimmer noch, ohne Schneehose nach draußen geht? Ich muss ihr eine Schneehose mitgeben. Und Hausschuhe. Und eine Axt. Ahrg. Vorsorglich nehme ich mir vor, am nächsten Abend einige Flaschen Wein zu trinken.

Tag X ist da. Ich zittere ein wenig. 3 Stunden ALLEINE. Wird sie überleben? Ella singt und springt und macht kleine Tanzschritte. Ich fürchte, da muss ich durch. Beim Zähneputzen sage ich, "vergiss nicht aufs Klo zu gehen." Auf der Fahrt zum Kindergarten sage ich, "aufpassen auf der Straße! Und viel trinken!". Zum Abschied sage ich, "sag einfach Bescheid, wenn du nach Hause willst!" Mein Kind ignoriert mich. Recht hat sie.

Eine halbe Stunde vor dem großen Treffpunkt im Kindergarten hole ich Mo ab. Ich sehe sie sitzen, gebe ihr einen Kuss und sage (sehr fröhlich), tschüss viel Spahaß! Wir gehen zur Tür und als ich mich umdrehe, zittern ihre Lippen und sie fängt an zu weinen. Ich schäme mich sehr dafür, aber ein Teil von mir atmet auf. Puh. Vielleicht darf ich ja doch dabei bleiben. Ich drücke sie und sage, soll ich warten, bis Lisas Papa kommt? Sie kuschelt sich an mich und ich zweifle ernsthaft an meinen Mutterqualitäten. Ganz offensichtlich bin ich völlig wahnsinnig und schuld daran, wenn mein Kind mich mit 16 darum bitten wird, dass ich noch kurz mit zu ihrem Freund komme...
Als die fröhliche und sehr aufgeregte Horde zur Party abgeholt wird, lässt sich Ella von der Partystimmung anstecken und geht mit. --- Moment. EIN Mann. Eine sehr befahrene Straße. 7 Kinder. Sie werden alle sterben. Ich frage ihn 870mal, ob ich ihm helfen soll. Er hat angeblich alles unter Kontrolle. Seine Tochter rennt in Richtung Straße und er brüllt ihr nach. Ha. So sieht dein unter-Kontrolle-Haben-aus?! Ich zeig dir Kontrolle! Halb besinnungslos packe ich Mo ins Auto. Ich muss hinterher. Die Straße runter. Um die Kurve. Shit. Er hat mich gesehen. Schnell weg. Mir ist schlecht.

Irgendwie geht der Nachmittag vorbei. Kein Anruf. Ich telefoniere mit meiner Schwester, die mir durchs Telefon einen deutlichen Vogel zeigt.

17.28 Uhr. Wo ist mein Kind? Die Treppe hoch. Lärm.
Ich öffne die Tür.

Ella sitzt gelassen am Tisch und stopft fröhlich Schokolade in ihren Mund. Alle leben. Langsam stabilisiert sich mein Puls und ich plaudere mit Lisas Mama:
Ich: Ich hatte ja schon fast Bedenken heute... (wollte erzählen, dass Ella geweint hat)...
Sie: Ja, ich habe schon gehört, dass du meinem Mann nachgefahren bist.

Ich sterbe.

---


Und was haben wir heute gelernt?
a) Meine Tochter hatte einen perfekten Tag und ist wieder ein Stück selbständiger geworden.
b) Somit ist meine Tochter in ihrer Entwicklung deutlich schneller als ich.
c) Ich spinne.
d) Das muss aufhören.

Kann man diese Helikopter-Geschichte irgendwie abschalten? Ist nämlich ein bisschen wie Damm-Massage - ganz schön anstrengend, ein bisschen schmerzhaft und völlig sinnfrei.

23.01.2015

Bekenntnis: Heute habe ich mein Kind angeschrien.

Hallo Internet. Heute möchte ich eine Geschichte mit euch teilen, auf die ich nicht stolz bin. Heute habe ich mein Kind angeschrien. Das kleine.

Gerade ist es 20.15 Uhr und ich frage mich, warum ich nicht im Bett liege, statt dem Internet eine Beichte abzulegen. Aber das muss jetzt raus. Zugegeben: Die letzten Tage waren sehr anstrengend. Ich bin körperlich am Limit, erkältet, übermüdet, Lagerkoller. Die langsam genesenen Kinder verbreiten in Sekundenschnelle ihr übliches Chaos - während ich im Norden aufräume, wird im Süden ausgeräumt. Sie sind nach fast einer eingesperrten Woche so überdreht, dass sie nicht mehr spielen, sondern nur noch mit Sachen um sich werfen. Normalerweise ist es mir egal, aber heute macht es mich wahnsinnig. Sie streiten und es macht mich wahnsinnig. Sie hören mir nicht zu und es macht mich wahnsinnig. Ich merke, wie eine sehr ungerechte Wut in mir hochbrodelt, die hauptsächlich meiner eigenen Erschöpfung zu schulden ist und denke noch, oh my. Hochexplosiv, jede Pore meines Körpers. Ruhig Blut, sie können auch nix dafür. Dann schütten beide ihre Apfelschorlen über Tisch und Stühle. Beim Wickeln reißt Mo tatsächlich die völlig vollgekackte Windel unter seinem Popo hervor, wedelt freudig damit herum und ... Das war's. Ich explodiere. Und mein armer 1 1/3-Jähriger schaut mich fassungslos an.

Er weiß nicht, warum ich ihn anschreie und findet den Fehler nicht. Er hat keine Ahnung, was er falsch gemacht hat.

10 Sekunden später komme ich wieder zu mir und schäme mich fürchterlich, aber es ist zu spät.

Und jetzt?

Hilft nur:
Erkennen, dass das großer Mist war.
Bewusstmachen, dass ich diese Veranlagung zum Explodieren in mir trage.
An mir arbeiten, damit ich das nächste Mal angemessen und altersgerecht reagiere.
Mich beruhigen, dass die Kinder vereinzelt auftretendes elterliches Versagen verkraften können.
Hoffen, dass ich wieder lerne mich im richtigen Moment besser zu kontrollieren. (Nicht immer und sicher nicht völlig, denn hier stimme ich zu 100% mit Jesper Juul überein: Authentisch bleiben. Das Kind darf ruhig merken, dass ich auch mal wütend werde. Aber nicht so.)
Die beiden heute noch ein bisschen mehr knutschen als sonst.

Und mir verzeihen.

Kennt ihr das?
Eure Sue

20.01.2015

Ich habe seit Freitag die Wohnung nicht mehr verlassen.

Meinen Berechnungen zufolge ist heute Dienstag. Es könnte aber auch Mittwoch sein, der Blick auf den PC verrät mir zumindest, dass heute der 20.01. ist, was einen gewissen Sinn ergibt, weil der Christbaum steht nackig auf der Terrasse, vom Himmel schnieselt es und meine Hände sind Januar-kalt. Beide Kinder sind krank, es sind Tage, die keinen Anfang haben und kein Ende, bei der ersten Erschöpfung ist es 08.00 morgens und noch 12 Stunden to go bis hinsetzen. Keiner isst und ich zaubere unentwegt Lieblingsgerichte, die nicht mal ich mehr esse. Gegen 16.00 versuche ich vor Sorge um das eine Kind das andere nicht anzuschreien. Meine Nerven sind dünn. Fiebrige Kinder haben keine Nerven und nichts, das ihre Gefühle abpuffert, bevor sie nach außen platzen. Die verschissenen Hosen werfe ich nur noch vor die Tür und das Wohnzimmer zu saugen habe ich schon längst aufgegeben. Gegen 18.00 gerät der Finger des einen Kinds ins Fenster, als ich es schließen will. Jetzt ist es 19.12 und ich freue mich - Kind 1 geht es besser, Kind 2 hat nur noch 39,4 und es hat seit 3 Stunden schon nicht mehr gekackt.