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23.01.2015

Bekenntnis: Heute habe ich mein Kind angeschrien.

Hallo Internet. Heute möchte ich eine Geschichte mit euch teilen, auf die ich nicht stolz bin. Heute habe ich mein Kind angeschrien. Das kleine.

Gerade ist es 20.15 Uhr und ich frage mich, warum ich nicht im Bett liege, statt dem Internet eine Beichte abzulegen. Aber das muss jetzt raus. Zugegeben: Die letzten Tage waren sehr anstrengend. Ich bin körperlich am Limit, erkältet, übermüdet, Lagerkoller. Die langsam genesenen Kinder verbreiten in Sekundenschnelle ihr übliches Chaos - während ich im Norden aufräume, wird im Süden ausgeräumt. Sie sind nach fast einer eingesperrten Woche so überdreht, dass sie nicht mehr spielen, sondern nur noch mit Sachen um sich werfen. Normalerweise ist es mir egal, aber heute macht es mich wahnsinnig. Sie streiten und es macht mich wahnsinnig. Sie hören mir nicht zu und es macht mich wahnsinnig. Ich merke, wie eine sehr ungerechte Wut in mir hochbrodelt, die hauptsächlich meiner eigenen Erschöpfung zu schulden ist und denke noch, oh my. Hochexplosiv, jede Pore meines Körpers. Ruhig Blut, sie können auch nix dafür. Dann schütten beide ihre Apfelschorlen über Tisch und Stühle. Beim Wickeln reißt Mo tatsächlich die völlig vollgekackte Windel unter seinem Popo hervor, wedelt freudig damit herum und ... Das war's. Ich explodiere. Und mein armer 1 1/3-Jähriger schaut mich fassungslos an.

Er weiß nicht, warum ich ihn anschreie und findet den Fehler nicht. Er hat keine Ahnung, was er falsch gemacht hat.

10 Sekunden später komme ich wieder zu mir und schäme mich fürchterlich, aber es ist zu spät.

Und jetzt?

Hilft nur:
Erkennen, dass das großer Mist war.
Bewusstmachen, dass ich diese Veranlagung zum Explodieren in mir trage.
An mir arbeiten, damit ich das nächste Mal angemessen und altersgerecht reagiere.
Mich beruhigen, dass die Kinder vereinzelt auftretendes elterliches Versagen verkraften können.
Hoffen, dass ich wieder lerne mich im richtigen Moment besser zu kontrollieren. (Nicht immer und sicher nicht völlig, denn hier stimme ich zu 100% mit Jesper Juul überein: Authentisch bleiben. Das Kind darf ruhig merken, dass ich auch mal wütend werde. Aber nicht so.)
Die beiden heute noch ein bisschen mehr knutschen als sonst.

Und mir verzeihen.

Kennt ihr das?
Eure Sue

Kommentare:

  1. Ja!!!Leider.Du bist schließlich Mensch und kein Roboter.Und da kann das passieren, dass man ein Kind anschreit, dass nix für den eigenen Groll kann.
    Mir hilft es, sich bei meinen Kindern ehrlich zu entschuldigen.Und anzuerkennen,dass die eigene Kraft auch mal aufgebraucht ist.
    Besonders nach so einer stressigen Phase!
    Ich drück dir alle Daumen, dass bald wieder Alltag einkehrt.
    Bis dahin starke Nerven und viele Ruhepausen und Kraftreserven!!
    lg
    Andrea

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