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16.02.2015

Zeitreise: Sue in Mexiko

Vor ziemlich genau 10 Jahren habe ich einige Zeit lang in Mexiko Deutsch unterrichtet. Ich war frei, wild, kinderlos - und ohne Arbeitsvertrag oder Aufenthaltserlaubnis. Ein paar Geschichten möchte ich hier wieder aufleben lassen... um mich daran zu erinnern, dass es irgendwo in mir drin noch ein ganz anderes "ich" gibt.
[Mit dem Thema des Blogs haben sie nicht das geringste zu tun, also bitte gerne weitergehen.]

März 2006: Stimmung und Stuhlgang

Zur Zeit habe ich das Gefühl, mich auf einem anderen Planeten, oder bzw. in einem Parallel-Leben zu befinden. Surreal - - ich habe oft komische Träume von Deutschland, aber mein Alltag ist mittlerweile, als ob ich nie irgendwo anders gelebt hätte. Mir fällt nicht einmal mehr auf, dass Spanisch eigentlich eine Fremdsprache für mich ist.

Ich könnte platzen vor Energie. Ich könnte singen und tanzen und finde jeden Tag unglaublich cool und freue mich jeden Morgen, dass ENDLICH wieder ein neuer Tag angebrochen ist und ich wieder aufstehen darf und die Vögelchen singen und die Luft sirrt und ... ach ... Das frühe Aufstehen macht mir rein gar nichts aus! Um 05:20 morgens klingelt der Wecker, der Vollmond scheint in mein Zimmer, und ich springe voller Elan und Frische aus dem Bett, laufe vergnügt mit meiner Thermos-Tasse Nescafe zum Bus, schaue mir den in 4 Decken eingemummten Busfahrer an, summe ein bisschen die mexikanischen Liebeslieder mit, die aus den Boxen dröhnen, setze mich neben ein paar dunkle, fertige Gestalten im Bus, laufe dann mit den Ratten zusammen durch den Müll zur Arbeit, und während ich Lieder singe, sehe ich die Sonne über den Gasflaschen der Nachbarfabrik aufgehen und denke, wie schön, hei, der Sonnenaufgang ..

Hey, ausnahmsweise keine Ironie. Ihr denkt jetzt wahrscheinlich, o weh, jetzt hat sie also doch den Verstand verloren. Aber grämt euch nicht – das muss schlicht und einfach an der extremen Sonneneinstrahlung hier liegen. Das wirkt auf mich wie eine ganze Packung Antidepressiva. Oh, ich hoffe, dass mir das in Deutschland wenigstens ein bisschen erhalten bleibt.

Und jetzt noch ein paar Worte zum Thema Stuhlgang. Die arme Kollegin K. ist seit gestern krank und hat Durchfall wie noch nie im Leben.. der Arzt hat ihr gesagt, sie soll von Mittwoch bis Freitag!!nichts mehr essen. Hey! Das ist eine gute Idee. Du hast Bakterien im Mastdarm? Dann lass die Viecher verhungern.

Apropos verhungern, einen Tag vorher konnte ich K. noch ausreden, eine prophylaktische Wurmkur zu machen. Das ist nämlich sehr beliebt hier: die Kinder machen alle sechs Monate eine Wurmkur, nur so zum Spaß. Das heißt, die Leute gehen eigentlich davon aus, dass sich ununterbrochen ein paar Tiere den Weg durch halbverdaute Tortillas fressen, mmhh. Hat nicht mal jemand erzählt, dass man fühlt, wie sie fressen?
Jedenfalls, die Mexikaner sind große Fans von "mal ein bisschen Antibiotika essen"; Folge ist, dass viele hier resistent sind und an Lungenentzündungen o.ä. sterben. Jetzt erst fangen die Leute anscheinend langsam an, die Antibiotika nicht mehr mit beiden Händen auf die Straße zu werfen und unter den Leuten zu verteilen.

Aber zurück zum Thema Stuhlgang.. also meiner ist nach wie vor ganz hervorragend. Nur so, falls das zu den Informationen gehört, die ihr dringend noch von mir haben wolltet.

Ah, ein Wort zum Schluss. Der heutige Tagesgewinner der Kategorie "Saublöde Fragen stellen" ist...:
Ein Kerl, der im Unterricht gefragt hat:
Hat das Suffix "schaft" (in Wörtern wie Gemeinschaft, Gesellschaft, etc) eigentlich was mit SCHAF zu tun?
Ja, Mann. Ich bin mir sicher. gemein Schaf t auf jeden Fall. Auch plausibel klingt Mutter Schaf t.

Kommentare:

  1. Mensch von Mexiko nach Mittelfranken war bestimmt ein Kulturschock ;-)
    SCHAF ist super, hat er das wirklich gefragt?

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    1. Nach Oberbayern, Unter- und Mittelfranken - oh ja, das war ein Kulturschock, aber auch eine große Freude: fließendes warmes Wasser und eine Heizung im Winter = ein Traum :-)
      und ja, er hat das WIRKLICH gefragt!!

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